SV PlüderhausenBorussia Düsseldorf
TTC Müller Frickenhausen/WürzburgTG 1837 Hanau
TTC RhönSprudel Fulda Maberzell1. FC Saarbrücken
TTC Zugbrücke GrenzauTTF LIEBHERR Ochsenhausen
SV Werder BremenTTC indeland Jülich

Foto: Mannschaft des 1. FC Saarbrücken, aufgenommen eine Stunde vor dem Spiel in Düsseldorf, v.l. Coach Matthias Landfried, Bojan Tokic, Andrej Gacina, Leung Chu Yan, Jiri Vrablik, Abteilungsleiter Dr. Thomas Fox.


Table Tennis is coming home: 1. FC Saarbrücken

Unter dieses Motto könnte man die Story des Aufsteigers 1. FC SAARBRÜCKEN stellen. Das Gründungsmitglied der Tischtennisbundesliga 1966, das insgesamt sechs Spielzeiten in den 60-er und 70-er Jahren im Oberhaus verbrachte, ist ein Traditionsklub, der nach Jahrzehnten der Zweit- und Drittklassigkeit nun die einmalige Chance hat, dem tischtennisbegeisterten Saarland wieder großen Sport zu präsentieren.

Lange verband man mit dem 1.FCS nur noch den Fußball, der sich aber derzeit in den Niederungen der Viertklassigkeit tummelt und den Fans nur bedingt Anlass zur Freude bietet - unlängst beim Regionalliga-Auftakt gingen die Saarbrücker ausgerechnet beim Lokalrivalen Elversberg mit 0:6 baden. Zeit, dass sich was tut und die Sportfans aus dem Saarland entdecken, dass der schnellste Rückschlagsport der Welt die mit großem Abstand hochkarätigste Angelegenheit ist, die die Region heute zu bieten hat - Tischtennis hat Chancen, zum sportlichen Aushängeschild des Saarlandes zu werden.

Dass an der Saar ein Bedürfnis besteht, Spitzentischtennis zu sehen, wird jedes Jahr im Januar erneut unter Beweis gestellt. Dann nämlich setzt regelmäßig der Run auf die Karten für den Energis Masters Cup in der Joachim-Deckarm-Halle ein, in der auch der 1.FCS seine DTTL-Heimspiele austragen wird. Mit rund 3.000 Tischtennisfans pflegt die Arena beim großen Schauturnier aus allen Nähten zu platzen. Künftig wird man dort die Bolls, Waldners, Perssons und Roßkopfs im Ligaalltag bestaunen dürfen. Zudem vermag man diesen Koryphäen des Tischtennissports eine Mannschaft entgegenzustellen, die keinesfalls an einen klassischen Aufsteiger erinnert und hochkarätig besetzt ist.

Mit Bojan Tokic steht Frickenhausens ehemaliger Publikumsliebling auf Position eins. Der extrovertierte Slowene hat ebenso gehobenes DTTL-Niveau wie Hongkong-Chinese Leung Chu Yan, der zuletzt Leistungsträger in Plüderhausen war - der Penholderspieler kann an guten Tagen jeden Liga-Kontrahenten bezwingen, außer vielleicht Timo Boll. Saarbrückens Trainer Matthias Landfried hat bereits in seiner Würzburger Zeit vier Jahre lang mit Leung gearbeitet und hält große Stücke auf den eher introvertierten Asiaten. Komplettiert wird das markante Stamm-Trio durch den jungen, in der August-Weltrangliste auf Rang 67 geführten Kroaten Andrej Gacina (Foto), der immerhin von Europas Kultklub Charleroi an die Saar geholt wurde und auf dessen DTTL-Debüt man sehr gespannt sein darf. Vom Aufstiegskader ist lediglich die neue Nummer vier Jiri Vrablik im Team geblieben, der nun sozusagen als "Backup" das Aufgebot für die Erste Liga abrundet. An Position zwei spielte der Tscheche in der Aufstiegssaison eine Bilanz von 12:5 ein und erwies sich zudem als doppelstark.

Nach der Zweitliga-Meisterschaft 2008/09, die mit sechs Zählern Vorsprung souverän eingefahren wurde, vollzog man einen radikalen Schnitt und bot selbst jungen Hoffnungsträgern des Erfolgssextetts wie Alexander Flemming oder Jörg Schlichter keine Erstligaperspektive. Neben Vrablik durfte lediglich der Chinese Wang Xue Xin bleiben, der allerdings künftig die "Zweite" in der Regionalliga verstärkt. Bitter für die Betroffenen, wenngleich der Aufstieg vom Unter- ins Oberhaus - allein schon aufgrund der völlig unterschiedlichen Spielsysteme mit Sechser- beziehungsweise Dreiermannschaften - noch immer einen Quantensprung bedeutet und der "Emporkömmling" gezwungen ist, personell stark aufzurüsten, möchte er in Europas stärkster Liga mehr als bloß Kanonenfutter sein.

Matthias Landfried wagt eine Saisonprognose und formuliert, was viele Manager und Trainer der Liga denken: "Meister wird wieder Borussia Düsseldorf, während rund zwei Drittel der DTTL-Vereine um die Play-Offs und paradoxerweise gleichzeitig gegen den Abstieg spielen werden." Der Saarbrücker Chefcoach ergänzt: "Die DTTL ist ausgeglichen wie nie zuvor. Wir müssen hellwach und hochkonzentriert sein, das Team muss topvorbereitet und optimal eingestellt sein, da in dieser Eliteliga Nuancen über Sieg und Niederlage entscheiden." Da man nicht mit einem Erfolg zum Saisonauftakt ausgerechnet bei Rekordchampion Düsseldorf kalkulieren könne, müsse man versuchen, im ersten Heimspiel gegen Werder Bremen den ersten Sieg einzufahren, da sonst der Druck immens werde: "Aber das gesamte Team besteht aus Profis, unter Druck stehen heißt für uns nicht, dass wir uns verrückt machen, sondern das ist eher unsere normale Betriebstemperatur." Landfried geht davon aus, dass bei den Saarländern die Mischung stimmt: "Die große Tradition des Vereins als Bundesligagründungsmitglied gewinnt alleine keine Spiele, aber die Kombination von Tradition mit professionellem Umfeld und Weltklassespielern bietet sicherlich eine gute Grundlage für die Zukunft."

Unsere Prognose: Der Traditionsklub aus der südwestdeutschen Grenzregion wird zum Stolperstein für manchen Kontrahenten, der hoch hinaus will, und zu einer Bereicherung der Liga. Spielen Tokic, Leung und Gacina durchgängig, ist ein Play-Off-Platz keine Fiktion. Auch die Zuschauerzahlen könnten gleich in der "Einstiegssaison" über dem Ligadurchschnitt, der zuletzt bei rund 640 Fans pro Partie lag, angesiedelt sein. Es war an der Zeit für das Saarland, wieder in der höchsten deutschen Spielklasse repräsentiert zu sein. Dem Bundesliga-"Heimkehrer" 1. FC Saarbrücken ist es zuzutrauen, aus seiner günstigen Ausgangsposition - regional und in sportlicher Hinsicht - eine Menge zu machen.























Text: Dr. Stephan Roscher (DTTL-Mediendienst)

Foto: Andrej Gacina: 1. FC Saarbrücken, Foto Team: Dr. Stephan Roscher (DTTL-Mediendienst)