TTC RhönSprudel Fulda Maberzell1. FC Saarbrücken
SV Werder BremenTTC indeland Jülich
TTC Zugbrücke GrenzauTTF LIEBHERR Ochsenhausen
TTC Müller Frickenhausen/WürzburgTG 1837 Hanau
SV PlüderhausenBorussia Düsseldorf



TTC indeland Jülich: Selbstbewußt den Klassenerhalt erarbeiten

 

Wenn ein Klub über Erfahrung im Abstiegskampf verfügt, dann ist es der TTC indeland Jülich. Öfters schon stand den Herzogstädtern sportlich das Wasser bis zum Hals, doch stets verstand man es, noch mehr oder weniger elegant die Kurve zu nehmen. Nun geht es in die 33. Jülicher Bundesligasaison und die schier "Unabsteigbaren" sind noch immer dabei. Ebenso wie Manager-Urgestein Arnold Beginn, der dienstälteste Manager der Liga, der sogar schon vor dem Aufstieg die Fäden in Händen hielt. Da lässt man sich von den Prognosen der Konkurrenten auch nicht so schnell ins Bockshorn jagen, die überwiegend dem TTC eine ganz schwere Saison mit dem Rücken zur Wand prophezeien. Tatsächlich scheint die Mannschaft der Westdeutschen in einer extrem ausgeglichen erscheinenden Liga sportlich einen Tick abzufallen, ohne dass man sie deswegen zu Kanonenfutter stempeln könnte.

 

Nicht viel blieb beim letztjährigen Tabellenachten vom Niederrhein, wie es war, zumindest was den DTTL-Kader betrifft. Anders sieht dies in Bezug auf die Führungsebene aus, wo Arnold Beginn weiter Chef im Ring und Trainer Johannes Dimmig auch künftig erster Mann auf der sportlichen Kommandobrücke ist.

 

Die Recken der Saison 2008/09 Jörg Roßkopf (nach Hanau), Taku Takakiwa (Bremen) und Paul Drinkhall (Plüderhausen) fanden neue Arbeitgeber, an ihre Stelle treten vier junge Akteure, deren drei in Europas stärkster Liga debütieren werden.

 

Lediglich Rückkehrer Marcos Freitas, der dem Vernehmen nach mit dem Erfolgsdruck beim deutschen Rekordmeister nicht zurechtkam, hat schon drei Jahre Bundesligaluft schnuppern können. Der 21-jährige Linkshänder aus Portugal, momentan die Nummer 88 der Welt, könnte im neuen und doch vertrauten Umfeld wieder aufblühen.

 

Mit dem 25-jährigen Yang Zi aus Singapur (auf dem Foto zusammen mit Manager Arnold Beginn) wurde ein ausgewiesener Doppelspezialist in die westliche Grenzregion geholt - das Duo Yang Zi / Gao Ning zählt zu den weltbesten Doppelkombinationen. Man hofft bei den "Indeländern", dass der Asiate als neuer Führungsspieler einschlägt. Allerdings gilt er in der Szene eher als ruhiger Vertreter seines Fachs, nicht unbedingt als extrovertierter "Leadertyp". In der Weltrangliste ist Yang derzeit auf Rang 57 positioniert. Seine beste Platzierung hatte er Anfang 2008, als er immerhin als Nummer 21 geführt wurde.

 

Das Team wird komplettiert durch zwei ambitionierte Ex-Zweitligaspieler, die im Doppelpack vom TTC Hagen nach Jülich gelotst wurden: Der Franzose Loic Bobillier-Mammot (24) und der Pole Filip Szymanski (25) setzten im Unterhaus Akzente. Besonders "Bobi" wusste letzte Saison zu gefallen - seine 15:1-Bilanz im vorderen Paarkreuz kann sich wahrlich sehen lassen. Ob das Hagener Duo auf Anhieb in der DTTL auftrumpfen kann, muss zunächst mit einem Fragezeichen versehen werden. Derzeit trennen 2. Liga und 1. Liga bekanntlich sportliche Welten, was nicht ausschließt, dass sich der eine oder andere Liga-Debütant auch oben etablieren kann. Manche brauchen als Initialzündung bekanntlich die hohe Hürde vor Augen. Man darf gespannt sein, was Bobillier und Szymanski bei gestiegenen Anforderungen abrufen können.

 

Ungewöhnlich: drei Linkshändern im Team steht ein einziger Rechtshänder - Filip Szymanski - gegenüber. Die Grenzländer werden vermutlich in einer Reihe von DTTL-Begegnungen mit einem kompletten Linkshänder-Terzett am Tisch stehen - das ist fast einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde wert. Kontrahenten mit Linkshänder-Phobie dürfen sich auf einiges gefasst machen.

 

Hinter der Stammtruppe scharrte letzte Saison der 15-jährige Julien Indeherberg mit den Hufen und kam auch zu zwei DTTL-Einsätzen. Der talentierte Belgier wanderte zwar zum niederländischen Erstligisten Heerlen ab, dafür präsentiert man tief im Westen nun ein neues "Nesthäkchen": Jonas Lenzen heißt der junge Mann, ist ganze 14 Jahre alt und spielt etatmäßig in der Talentschmiede des Klubs in der Oberliga - und das schon richtig gut. Und - in Jülich besonders wichtig - der Tischtennis-Teenager ist Linkshänder! Trainer Johannes Dimmig: "Jonas spielt das gleiche Niveau wie Julien im letzten Jahr. Er ist im Kader des WTTV und nahm letzte Saison am DTTB TOP 16 der Schüler teil. Im 'Worst Case', wenn etwa zwei Spieler verletzt wären, würde er spielen." Hinter dem Youngster steht an Position sechs mit Dauerbrenner Adel Massaad ein "Tischtennis-Opa" für den Fall der Fälle bereit. Chefcoach Dimmig antwortet auf die Frage, ob denn der extrovertierte 45-jährige Ex-Tischtennisprofi mit ägyptischem Pass, dessen unbändiger Ehrgeiz zum Markenzeichen wurde, tatsächlich noch eine Option für Liga eins sei: "Adel ist weiterhin fit und wird sich für London 2012 nochmal richtig reinhängen."

 

Der fast noch jugendliche Trainer mit der großen Erfahrung - Johannes Dimmig blickt bei einem Alter von 29 Jahren bereits auf eine sechsjährige Karriere als Bundesligacoach zurück - freut sich auf die Saison und zeigt sich optimistisch: "Wir wollen uns den sportlichen Klassenerhalt erarbeiten und das 'Indeland' mit unserem unermüdlichen Kampfgeist gut repräsentieren. Unser Saisonziel ist Platz acht." Dem jüngsten Tischtennislehrer der DTTL würde es gut gefallen, wenn seine neue Truppe an eine hervorstechende Eigenschaft der Vorgänger-Crew anknüpfen könnte, die meist gerade dann in Galaform aufspielte, wenn keiner einen Pfifferling auf sie setzte, und unter anderem Rekordchampion Düsseldorf bezwang: "Wir wollen mit unseren vier Neuverpflichtungen die 'Unberechenbaren der Liga' bleiben. Mit drei Linkshändern im Team werden wir für die eine oder andere Mannschaft unangenehm sein." Dimmig ist davon überzeugt, dass Borussia Düsseldorf die Titelverteidigung gelingt. Für richtig gut und Play-Off-verdächtig hält er aber auch "alle mit -hausen am Ende." Auf den Abstiegskampf angesprochen, gibt der A-Lizenz-Übungsleiter schließlich folgende Prognose zum Besten: "Um die Plätze sechs bis zehn streiten sich Bremen, Grenzau, Hanau, Saarbrücken und Jülich."

 

Arnold Beginn ist durch und durch überzeugt von der neuen Truppe, die er für optimal zusammengestellt und außerordentlich steigerungsfähig hält: "Das ist genau die Mannschaft, wie ich sie mir vorgestellt habe." Der erfahrene Vereinsboss wird konkreter: "Wir hätten auch andere Spieler verpflichten können. Das Angebot war diesmal besonders groß, weil in Russland, Polen, Italien und Spanien große Sponsoren ausgestiegen sind. Wir hatten die Auswahl, wollten aber genau diese vier Spieler in Jülich haben." Beginn denkt nicht im mindesten daran, sein Quartett auf eine Underdog-Rolle festzulegen: "Ich glaube, es wird eine sehr gefährliche Mannschaft sein, durchaus auf Augenhöhe mit Vereinen wie Grenzau, Plüderhausen oder Bremen." Auf Heimkehrer Freitas hält der "Manager-Methusalem" große Stücke: "Marcos könnte bei uns wieder aufblühen und zu alter Leistungsstärke gelangen. Ich sehe in ihm den Jülicher 'Podolski', der schließlich auch nach Köln gehört und beim FC Bayern nicht glücklich wurde."

 

Vermutlich werden die „Unabsteigbaren" aus Jülich dennoch vom ersten Ballwechsel an um den Klassenerhalt zu kämpfen haben. Doch das kennt man ja in der traditionsreichen Herzogstadt am Niederrhein, so dass diese Prognose dort vermutlich Keinem schlaflose Nächte bereiten dürfte.

 



 

Foto: Hoffnungsträger Yang Zi zusammen mit seinem Chef Arnold Beginn beim Antrittsbesuch in der Jülicher Geschäftsstelle.
Text: Dr. Stephan Roscher (DTTL-Mediendienst)
Foto: TTC indeland Jülich