TTC Müller Frickenhausen/WürzburgTG 1837 Hanau
TTC RhönSprudel Fulda Maberzell1. FC Saarbrücken
SV Werder BremenTTC indeland Jülich
SV PlüderhausenBorussia Düsseldorf
TTC Zugbrücke GrenzauTTF LIEBHERR Ochsenhausen













Foto: Optimistisch in die Saison 2009/10: TTC Zugbrücke Grenzau, V.l. Patrick Baum, Mattis Burgis, Physiotherapeut Jan Wilsberg, Co-Trainer Anton Stefko, Tomas Pavelka, Trainer Michele Comparato, Cheftrainer u. Sportl. Leiter Wieland Speer, Lucjan Blaszczyk.


Zeit, dass sich was dreht: Frischer Wind beim TTC Zugbrücke Grenzau

Für vier Fünftel der DTTL-Klubs gilt: eine fundierte Prognose ist nahezu unmöglich, zumindest aber äußerst schwierig, sofern man nicht verzweifelt im Kaffeesatz lesen will. Auch den TTC Zugbrücke Grenzau darf man zu jenem großen Mittelbau zählen, allerdings mit einer gewissen Perspektive nach oben aufgrund der vielen Talente im Team sowie im erweiterten Kader. Mehr denn je gilt die alte Weisheit, dass die Wahrheit einzig und allein in der Box beziehungsweise am Tisch liegen wird.

 

Immerhin ist der Traditionsklub hinter Rekordchampion Borussia Düsseldorf die Nummer zwei in Deutschlands „ewiger" Erfolgsrangliste - sechs Deutsche Meisterschaften, vier nationale Pokalsiege sowie vier europäische Titel sind eine stolze Bilanz. Allerdings scheiterte die Truppe aus dem idyllischen Brexbachtal nun bereits zweimal in Folge am Halbfinaleinzug. Zeit, dass sich was dreht .... Und wie es sich dreht!

 

Zunächst einmal ist mit dem langjährigen DTTB-Ligasekretär und Diplomtrainer Wieland Speer ein neuer Hoffnungsträger mit neuen, innovativen Ideen und einer teilweise neuen Mannschaft in die Führungsetage eingezogen. Speer, der bereits hauptverantwortlich Erstligisten wie den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell oder die Damen des TTC Assenheim trainiert hat, wird von dieser Saison an die Funktionen des Cheftrainers und Sportlichen Leiters ausüben und will natürlich mit seiner ambitionierten Truppe eine Menge erreichen. Zudem möchte er in Sachen Öffentlichkeitsarbeit und Sponsorengewinnung in die Offensive gehen und die Strukturen in Grenzau modernisieren. Natürlich wird Präsident Manfred Gstettner, Grenzaus "Mister Tischtennis", weiterhin bei allen relevanten Entscheidungen ein ganz gewichtiges Wort mitreden. 

 

In Speers Konzept spielt der junge Trainer und Sportwissenschaftler Michele Comparato eine wichtige Rolle. Comparato ist als Bundesliga-Coach mit im Boot und arbeitet täglich mit dem Leistungskader, also der ersten und zweiten Mannschaft. Eine seiner Aufgaben ist es, die Grundlagen für erfolgreiches Tischtennis bei den Bundesligaspielern zu optimieren, etwa im konditionellen, aber auch im taktischen Bereich.

 

Die eine unbekannte Größe vor der DTTL-Spielzeit 2009/10 liegt folglich in den personellen Umstrukturierungen auf Führungsebene, von denen jetzt noch niemand sagen kann, wie schnell sie greifen und ob sie auch den sportlichen Bereich beeinflussen. Die andere ist die Mannschaft selbst, die zumindest auf einer Position richtungsweisend verändert wurde.

 

Zoltan Fejer-Konnerth wurde abgegeben und schloss sich dem französischen Peter-Franz-Klub Pontoise-Cergy an. Dafür rückte mit dem 22-jährigen Megatalent Patrick Baum, Jugend-Weltmeister 2005 und mittlerweile auf Rang 38 der Weltrangliste „emporgeschossen", ein deutscher Nationalspieler mit großem Potenzial ins Team der Westerwälder. Dort wird Heimkehrer "Patti", der - zumindest nach dem aktuellen Weltklassement - ranghöchster TTC-Akteur ist, von Anfang an eine feste Größe sein. Nicht, wie zuletzt in Frickenhausen, lediglich "Notnagel" für besondere Fälle. Dem kolossal verbesserten Rheinhessen ist es durchaus auch zuzutrauen, bei den Europameisterschaften im September in Stuttgart für Furore zu sorgen.

 

An Position eins ist immer noch der routinierte Pole Lucjan Blaszczyk gemeldet, der eine eher bescheidene Saison hinter sich hat (Einzelbilanz 6:11), so dass es diesmal eigentlich nur besser werden kann. Ihm folgen Baum und der kampfstarke Tscheche Tomas Pavelka, ein Teamplayer, der besonders dann am Adrenalin-Limit spielt, wenn es für die Mannschaft um Alles oder Nichts geht. Pavelka verbuchte 2008/09 eine Einzelbilanz von 8:6. An ihm lag es nicht, dass es letzte Saison für die gut gestartete Mannschaft am Ende bloß zu einem enttäuschenden sechsten Platz mit 14:18 Zählern reichte.

 

Im „B-Team" - Grenzaus Reserve startet bekanntlich immerhin in der zweithöchsten deutschen Spielklasse - stehen mit dem hoch talentierten Kenji Matsudaira (20), dem Bruder des Frickenhausener Jungstars, und dem sich von Saison zu Saison steigernden lettischen Nationalspieler Mattis Burgis (19) zwei große Talente auf Abruf bereit, denen übe kurz oder lang der Sprung in die DTTL gelingen sollte.

 

Im Ligapokal, der wieder seinen krönenden Abschluss in einem außergewöhnlichen Final Four mit hochkarätigem Show-Programm finden soll, hat der TTC nach dem frühen Ausscheiden in den letzten beiden Spielzeiten noch eine Rechnung offen. Zuletzt Cupsieger 2006/07, sollte man diesmal die Westerwälder in dem attraktiven Wettbewerb unbedingt wieder auf der Rechnung haben. 

 

Ferner könnte die Grenzauer Truppe - nach einjähriger internationaler Abstinenz - im ETTU-Cup Akzente setzen. Allerdings ist diesmal besonders starke Konkurrenz in Sicht, da die russische Mannschaft aus Orenburg keinen geringeren als die Nummer sechs der Welt, Vladimir Samsonov, verpflichtet hat und in diesem Wettbewerb starten wird.

 

Auch wenn eine Saisonprognose in der extrem ausgeglichenen DTTL so außerordentlich schwerfällt, drückt sich Präsident Manfred Gstettner nicht vor konkreten Aussagen: "Unser Saisonziel in der DTTL ist das Erreichen des Play-Off Halbfinales. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass alle Spieler fit bleiben und ihre optimalen Leistungen bringen können." Der Zugbrücken-Präsident sieht es als Vorteil an, "dass wir mit Patrick Baum, Kenji Matsudaira und Mattis Burgis junge Spieler haben, die sich positiv weiterentwickeln." Generell sieht Gstettner die Liga im Aufwind, wenngleich er davon ausgeht, dass der alte Meister erneut Titelträger sein wird: "Favorit ist wieder Düsseldorf. Alles andere ist weitgehend offen. Frischen Ligawind gibt es durch die starken Neulinge Saarbrücken und Hanau."

 

Großen Enthusiasmus strahlt Coach Michele Comparato aus: "Ich bin total begeistert von den Bedingungen in Grenzau. Hier kann man als Trainer das ganze Potenzial ausschöpfen und viel erreichen. Ein echter Traumjob!" Zur sportlichen Perspektive sagt Comparato, der auch A-Lizenz-Fitnesstrainer ist: "Es muss unser Ziel sein, die Play-Offs zu spielen. Die DTTL ist aber sehr ausgeglichen, so dass zwischen Platz drei und sieben alles möglich ist. Selbst die Liganeulinge bieten konkurrenzfähige Teams an."

 

Der neue Hoffnungsträger Patrick Baum äußert sich vorsichtig optimistisch: "Mein persönliches Saisonziel ist es, positiv in der DTTL zu spielen. Mit der Mannschaft wünsche ich mir, dass wie es schaffen, eine Supersaison zu spielen und das Bestmögliche herauszuholen. Natürlich wäre es toll, wenn es für die Play-Offs reichen würde." Teamkamerad Tomas Pavelka wünscht sich das gleiche: "Wenn man sich das Starterfeld in der DTTL anschaut, sieht man, dass es unglaublich ausgeglichen ist. Allerdings hoffe ich, dass wir top-vorbereitet in die neue Runde gehen und diesmal die Play-Offs erreichen. Ich selbst wäre schon zufrieden, wenn ich mein positives Ergebnis der letzten Saison wiederholen könnte." Youngster Mattis Burgis setzt auf die nahe Zukunft: "Mein Ziel ist es, bald den Sprung in die erste Mannschaft zu schaffen. Aber dafür muss ich noch hart arbeiten und viel trainieren. Diese Saison wird sehr wichtig für mich sein und zeigen, wohin der Weg geht."

 

2009/10 könnten die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft des Westerwälder Traditionsklubs mit dem ganz besonderen Flair gestellt werden. Die Kombination mit dem modernen Sporthotel und der weltberühmten Tischtennisschule ist das Pfund, mit dem man wuchern kann und das Grenzau von anderen Vereinen abhebt. Der Saisonauftakt am 30. September in der Zugbrückenhalle gegen Außenseiter Jülich dürfte einen ersten Hinweis geben, in welche Richtung die sportliche Reise 2009/10 geht.

Im malerischen Brexbachtal setzt man auf die Trendwende und den neuen, frischen Zug im Verein.

 




















Text & Fotos: Dr. Stephan Roscher (DTTL-Mediendienst)