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TTC Rhön Sprudel Fulda-Maberzell



















Foto: TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell 2009/10, Spieler und Führungscrew, vorne v.l. Co-Trainer Hansi Fischer, Qing Yu Meng, Robert Svensson, Wang Xi; hinten v.l. Vizepräsident Claus-Dieter Schad, Schriftführerin Iris Brehl, Vizepräsident Michael Hodes, Jan-Ove Waldner, Vizepräsident Alexander Günther, Schatzmeister Hans-Joachim Frohnapfel, Gabriele Nitz vom Hauptsponsor RhönSprudel, Präsident Stefan Frauenholz.


Mit Augenmaß auf dem Weg nach oben: Fulda-Maberzell will erneut ins Halbfinale

 

Play-Off-Halbfinalist TTC TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell ist künftig je zur Hälfte chinesisch und schwedisch bestückt. Man hat sich auf dem Papier verstärkt und mit dem 41-jährigen Tischtennis-Promi Ma Wenge, bis 2008 Frickenhausener Galionsfigur und Publikumsliebling, einen namhaften Neuzugang im Kader. Dennoch werden die Osthessen bis auf weiteres auf ihr eingespieltes, gut harmonierendes Terzett der Vorsaison setzen. Chinese Ma, der wohl die Rolle des "Edelreservisten" ausfüllen wird, darf nämlich nur dann am Tisch stehen, wenn Landsmann Wang Xi, Maberzells Topspieler und der Abwehrspezialist der DTTL schlechthin, pausiert – und das darf als nicht allzu wahrscheinlich gelten. Immerhin fehlte der drahtige Asiate in seinen ersten zwei Bundesligajahren in Gönnern und Fulda noch kein einziges Mal. 16:7 lautete die vorzeigenswerte Bilanz des Defensivartisten, der in der Rückserie sogar nur zweimal als Verlierer vom Tisch gehen musste und nach miserablem Start (0:4) eindrucksvoll zeigte, warum die Liga ihn nach wie vor fürchtet. Der Spezialist für knappe Match-Ausgänge strafte mit seinem 16:3 ab Spieltag vier alle Experten Lügen, die meinten, im zweiten Jahr würde es für den Verteidigungsspezialisten mit dem knallharten Vorhandangriff ungleich schwerer sein, da die gesamte Liga auf sein Spiel eingestellt und der Überraschungseffekt dahin sei.

 

Tischtennislegende Jan-Ove Waldner, der charismatische „alte Schwede" mit der goldenen Hand, dessen Zugkraft ungebrochen scheint, steht trotz seiner bald 44 Jahre nach einer guten Saison erneut im Fuldaer Kader. Dies überrascht nicht, immerhin erlebte "Waldi" letzte Saison in der osthessischen Bischofsstadt seinen dritten Frühling und ließ seine Kritiker, die meinten, es sei an der Zeit abzutreten, mit einer sauberen 6:2-Rückrundenbilanz elegant ins Leere laufen. Sein kampfstarker Landsmann Robert Svensson, ein echter Teamplayer, ist eine weitere Stütze des Teams, das durch Spielertrainer Qing Yu Meng, mittlerweile auch Sportdirektor bei den Osthessen, komplettiert wird. Meng, der die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, ist inzwischen fast schon ein Fuldaer Urgestein. Der Linkshänder ist besonders als Doppelspezialist gefürchtet, wird aber zunächst das "B-Team" verstärken und wohl nur dann selbst in der DTTL zum Einsatz kommen, wenn Not am Mann ist oder das Doppel - letzte Saison die Achillesferse der Maberzeller - nicht funktioniert.

 

Mit der in Liga zwei aufgestiegenen „Zweiten", mit zwei jungen chinesischen Talenten verstärkt, hat der TTC erstmals einen Unterbau mit Sichtkontakt zur DTTL-Truppe vorzuweisen, was sich mittel- und längerfristig als Pluspunkt erweisen könnte. Das  Saisonziel des "B-Teams", für das sogar Ex-Bundesligatopspieler Feng Zhe spielberechtigt wäre, besteht allerdings zunächst ausschließlich im Klassenerhalt.

 

Präsident Stefan Frauenholz sieht der Saison 2009/10 optimistisch entgegen und setzt auf einen besseren Beginn als zuletzt, um der Ligakonkurrenz nicht wieder hinterherlaufen zu müssen: „Wir wollen dieses Mal natürlich einen besseren Start erwischen.“ Stolz ist die Vereinsführung auf die mittlerweile 35 Sponsoren. Dieser Pool ermöglicht es den Domstädtern, mit einem 400.000-Euro-Etat in die Saison zu gehen, womit man im Mittelfeld des Liga-Rankings angesiedelt ist. Teamchef Qing Yu Meng ist sich jedenfalls sicher: "Wenn unsere Jungs in der neuen Saison so anfangen, wie sie letzte Saison aufgehört haben, können wir ganz oben mitmischen." Tischtennis-Ikone Jan-Ove Waldner pflichtet seinem Coach bei: "Wir hoffen wieder auf die Play-Offs. Der zweite oder dritte Platz ist für uns möglich." Etwas vorsichtiger äußert sich Vizepräsident Claus-Dieter Schad: "Von Platz drei bis neun ist eigentlich alles drin. Die Liga ist äußerst homogen besetzt. Auch die beiden Neulinge Saarbrücken und Hanau könnten sich von Anfang an in der DTTL festsetzten und so manchen vermeintlichen Favoriten ins Stolpern bringen.“

 

Nocht nur in Europas stärkster Liga, sondern auch im "Europapokal" will es der letztjährige Champions-League-Teilnehmer noch einmal wissen. Nachdem man 2007/08 im Halbfinale des ETTU-Cups unglücklich ausgeschieden war, strebt man in der kommenden Saison den Finaleinzug in dem Wettbewerb an, den zuletzt mit dem SV Plüderhausen ein DTTL-Klub gewinnen konnte.

 

Der Verein selbst nimmt nun nach den stürmischen Aufbau- und Anfangsjahren diverse Projekte in Angriff, um die Außendarstellung und Öffentlichkeitsarbeit zu optimieren. So wurde unter anderem bereits ein neues, pfiffig gestaltetes Logo kreiert und eine komplett neue, moderne Homepage soll in kürze online gehen.

 

Dem "Hammerauftakt" am 29. August in der Wilmingtonhalle gegen Ochsenhausen, 2008/09 Vizemeister und Champions-League-Finalist, sieht man in der Rhön eher gelassen entgegen. Stefan Frauenholz: "Wir sind es gewohnt, gleich einen starken Gegner zu haben. Nach zweimal Düsseldorf ist es jetzt eben Ochsenhausen."

 

Prognose: Schafft man es, den Hang zum schwachen Saisonstart abzulegen und diesmal vom ersten Ballwechsel an auf dem traditionell hohen Rückrundenniveau zu agieren, könnte man sogar die beste Platzierung der Vereinsgeschichte ansteuern - Platz drei erscheint durchaus erreichbar. Ein Fulda-Maberzell ohne die üblichen anfänglichen Ladehemmungen könnte die DTTL durchaus das Fürchten lehren. Allerdings weiß man, dass die Liga diese Saison fast schon beängstigend ausgeglichen ist und folglich auch ein Abdriften in untere Tabellenregionen für keinen Klub außer Düsseldorf völlig undenkbar wäre, etwa wenn Verletzungspech ins Spiel käme. Vermutlich aber wird man erneut um einen der begehrten Play-Off-Plätze mitspielen. Im Erfolgsfall würde man zum dritten Mal in Folge in die Halbfinalrunde der Deutschen Meisterschaft einziehen. Das begeisterungsfähige Heimpublikum dürfte seinen Teil zur möglichen Erfolgsstory beitragen und Waldner & Co. wie gewohnt frenetisch nach vorne peitschen. 


Text: Dr. Stephan Roscher (DTTL-Mediendienst)
Foto: TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell