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SV Werder Bremen - Unberechenbare "Nordlichter" vor richtungsweisender Saison
Auch beim nördlichsten Bundesligisten, dem SV Werder Bremen, tut sich einiges. Nachdem Toptischtennis an der Weser erfolgreich etabliert werden konnte, wagt man sich nun an die nächste Ausbaustufe mit neuer Tischtennishalle und Runderneuerung des Kaders. Trinko Keen und Seiya Kishikawa wurden nach Düsseldorf abgegeben, fielen also auf der Karriereleiter nach oben. Auch den Rumänen Cioti ließ man ziehen.
Dafür wurde um Dauerbrenner Lars Hielscher ein neues Team installiert, in dem Bundesligarückkehrer Jens Lundquist, der schon die Frickenhausener und Ochsenhausener Farben trug, eine wichtige Rolle spielen soll. Neben dem international erfahrenen, 30-jährigen Schweden wurde der Japaner Taku Takakiwa aus Jülich geholt, der großes Potenzial hat, aber bislang noch nicht die zum Topspieler erforderliche Konstanz zeigte. Ein noch eher unbeschriebenes Blatt ist der Rumäne Adrian Dodean – Trainer Cristian Tamas hält jedoch große Stücke auf den 24-jährigen Linkshänder. Hielscher und Lundquist sind im Normalfall fraglos DTTL-Spieler der gehobenen Kategorie, Takakiwa hat das Potenzial dazu, muss es aber erst noch auszuschöpfen lernen.
Anfang September erfolgt die Grundsteinlegung der neuen Werder-Halle, in der künftig auch Bundesligatischtennis in angemessenem Ambiente präsentiert werden soll. Überhaupt denkt man in Bremen zukunftsgerichtet und möchte künftig nicht nur "fertige" Topspieler anheuern: "Wir wollen die Strukturen dafür schaffen, Talente nach oben zu bringen", so Coach Tamas.
Der Tischtennislehrer aus Rumänien hat ein eher gutes Gefühl vor der dritten Saison nach dem Wiederaufstieg. Die Vorbereitung verlief unproblematisch, Verletzungen blieben aus - gerade davon waren die Hansestädter in den letzten beiden Spielzeiten geradezu gebeutelt. Bereits im Juni absolvierte man in Kopenhagen ein erstes Trainigslager mit dem Ziel, sich kennenzulernen. Zwar standen Hielscher und Lundquist aufgrund von EM-Lehrgängen ihrer Nationalteams dem Coach in der heißen Vorbereitungsphase nicht durchgängig zur Verfügung, wenigstens konnten aber die letzten zehn Tage vor dem Punktspielstart gemeinsam absolviert werden.
Sascha Greber macht sich keine Illusionen und setzt die Zielvorgabe eher niedrig an: "Für uns zählt erst einmal der Klassenerhalt, denn die Liga ist noch stärker geworden." Der Teammanager fügt hinzu: "Wir sind durchaus in der Lage, alle Mannschaften zu schlagen. Wenn es schlecht läuft, können wir aber auch gegen alle verlieren." Greber zeigt sich von der Aufstellung des Aufsteigers aus dem Saarland beeindruckt: "In dieser Formation wird Saarbrücken ganz vorne mitspielen. Meisterschaftsfavorit bleibt aber Borussia Düsseldorf mit Timo Boll."
Der Startschuss fällt am 30. August im Sportturm der Bremer Universiät ausgerechnet gegen "Angstgegner" Plüderhausen, gegen das man letzte Saison gleich dreimal unglücklich den kürzeren zog, unter anderem im Cup-Final-Four-Endspiel von Hannover. "Gegen Plüderhausen haben wir noch einiges gut zu machen", kündigt Greber den Schwaben einen hoch motivierten SV Werder an. Da es in den folgenden Wochen eher noch schwerer wird - es folgen diffizile Auswärtsaufgaben in Saarbrücken und Düsseldorf - möchte man zum Saisonauftakt unbedingt beide Punkte an der Weser behalten. "Eigentlich ist schon angesichts der zwei folgenden Auswärtspartien ein Sieg gegen Plüderhausen Pflicht" - so jedenfalls die Einschätzung des Teamchefs.
Prognose: Noch lässt sich die Frage nicht beantworten, ob sich die Grün-Weißen durch den radikalen personellen Umbruch tatsächlich verstärkt haben. Einen Quantensprung nach vorne haben sie sicher nicht gemacht. Die neue Truppe ist vermutlich so ausgeglichen und unberechenbar wie nahezu die gesamte Liga - aber als Favoritenschreck machten sich Hielscher & Co. schon 2008/09 einen Namen. Sollte man von Verletzungspech verschont bleiben, erscheint ein Rang zwischen vier und sechs erreichbar. Anderenfalls könnte man sich aber auch erneut im Abstiegskampf wiederfinden.