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In Württemberg hat der 40. Geburtstag eine besondere Bedeutung: Man erreicht das „Schwabenalter“ und wird „gescheit“. Dies lässt sich zwar nur bedingt auf die in der Jubiläumssaison von schwäbischen Klubs wie Ochsenhausen und Frickenhausen geprägte Tischtennis-Bundesliga übertragen, und doch bleibt festzuhalten: Weise Entscheidungen sind angesichts der Herausforderungen im fünften Jahrzehnt der höchsten deutschen Spielklasse mehr denn je gefragt.
„Die Liga ist insgesamt attraktiv, die Zuschauerzahlen sind gestiegen. Wer einmal ein Tischtennisspiel live gesehen hat, kommt immer wieder. Und darauf gilt es aufzubauen“, sagt der Ligaausschussvorsitzende und Manager des TTC Frickenhausen, Christoph Reuhl. Dabei will die Lizenzliga auch vom möglichen Schub für den Tischtennissport profitieren, den man sich in Deutschland von der LIEBHERR Mannschafts-Weltmeisterschaft 2006 in Bremen verspricht. „Wir hoffen schon, dass uns die WM viele neue Fans beschert – vor allem dann, wenn das DTTB-Team gut abschneidet“, so Reuhl. Er und seine Managerkollegen der neun anderen Klubs sind jedoch auch selbst nicht untätig, wenn es um Ideen geht, die Popularität der Bundesliga zu steigern.
Besonders gespannt ist man auf den Erfolg des „Feldversuchs“, alle Play-Off-Spiele der Saison 2005/06 live via Internet-TV zu übertragen. Ein entsprechender Vertrag wurde mit dem Berliner IT-Unternehmen hahn e-business AG geschlossen, die beim „Energis Masters“ in Saarbrücken, einem Champions-League und einem Bundesliga-Spiel erste Tests gefahren hat. Die Zugriffszahlen waren bei Nutzungsgebühren von 4 bis 8 Euro pro Veranstaltung zwar noch steigerungsfähig, aber die Qualität der übertragenen Bilder überzeugte. „Das ist eine sehr interessante Sache. Wir spielen in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle, denn das macht keine andere Sportart“, sagt Reuhl nicht ohne Stolz. Sollte die Ausstrahlung der Play-Offs zu einem Erfolg werden, strebt die Liga mittelfristig die Übertragung sämtlicher Bundesligaspiele im weltweiten Internet an. Dass der Service kein Ersatz für einen Fernsehvertrag ist, weiß freilich auch der Liga-Chef: „Wir werden in dieser Richtung weiterverhandeln. Wir hoffen, dass der mit Vertretern der Liga, des DTTB und der Ausrüster beim Pokal-Finalturnier in Dillenburg abgehaltene Runde Tisch Früchte trägt und wir schon bald die Spiele der Nationalmannschaft, der Bundesliga und der Champions-League als Tischtennis-Paket im Fernsehen anbieten können.“
Doch nicht nur auf dem Bildschirm, auch in den Hallen soll sich etwas bewegen. „Wir denken über ein System mit Dreiermannschaften nach, um so etwas wie Centre-Court-Atmosphäre zu schaffen“, erklärt Christoph Reuhl. Vor allem bei Top-Events biete sich ein Umzug in größere Arenen an, wie die Bundesliga-Partie von Borussia Düsseldorf gegen den TTV RE-BAU Gönnern vor der Rekordkulisse von 4100 Zuschauern in der neuen Mehrzweckhalle Süd oder Gönnerns Champions-League-Auftritt gegen Granada in der Frankfurter Ballsporthalle gezeigt hätten. „Wichtig ist aber, dass diese Veranstaltungen sehr gut besucht sind, sonst lohnt sich der immense Aufwand nicht“, betont Reuhl. Auch über die Rückkehr zum guten alten DTTB-Pokalfinale an einem neutralen Ort statt der vom Publikum nicht angenommenen Pokal-Endrunde sind sich die Vereine einig. „Dabei müssen wir mit dem Endspiel in Regionen gehen, in denen sonst kein Tischtennis-Spitzensport zu sehen ist“, sagt der Liga-Chef und denkt gerne an die voll besetzten Ränge bei früheren Finals in Aachen oder Rotenburg a.d. Fulda zurück.
Zu einer ganz besonderen Herausforderung scheint sich derweil ein anderes Problem zu entwikkeln: die Abwanderung der Stars ins benachbarte (Frankreich) oder ferne (China/Japan) Ausland. So muss die Bundesliga, die in der Vergangenheit schon Asse wie Vladimir Samsonov oder Kalinikos Kreanga verlor, in der nächsten Saison auf weitere Topspieler wie Chuang Chih-Yuan (macht Liga-Pause) und Michael Maze (Levallois/Frankreich) verzichten. Der Grund für den Abschied ist fast immer derselbe: Die Zahl der Spiele ist in den ausländischen Ligen meist geringer, und das bei zum Teil besseren finanziellen Möglichkeiten, bedingt durch eine geringere steuerliche Belastung. „Wir sind uns des Problems bewusst und versuchen, zu reagieren“, sagt Christoph Reuhl. Dabei sind die Vereine allerdings im Zwiespalt: Eine Reduzierung der Liga auf acht Mannschaften kommt für die Klubs kaum in Betracht, da bei einer zu geringen Zahl von Heimspielen die Sponsoren abspringen und auch die Fans nicht gerade begeistert wären. Diskutiert wird daher über eine Aufhebung der Regel, wonach ein Bundesligaspieler mindestens neun Punktspiele absolviert haben muss, um für die Play-Offs spielberechtigt zu sein. „Nur wenn wir hier flexibler sind, können wir die Topspieler auf Dauer in der Liga halten“, ist sich Rainer Ihle, der Präsident des dreifachen deutschen Meisters TTF Liebherr Ochsenhausen, sicher. An eine mögliche Wettbewerbsverzerrung, in dem ein Verein einen Weltklassespieler etwa nur in der Play-Off-Runde einsetzen könnte, glauben weder Ihle noch Reuhl: „Ohne Topspieler in der Hauptrunde kommst du erst gar nicht in die Play-Offs.“ Offen bleibt freilich, ob Fans und Sponsoren glücklich sind, wenn die Nummer eins des Teams nur eine Handvoll Punktspiele bestreitet.
„Es gibt viele Baustellen, auf denen wir arbeiten“, fasst Christoph Reuhl die Aufgaben der Gegenwart und Zukunft zusammen. Das Ziel ist klar: In zehn Jahren, zum 50. Geburtstag, soll sich die Tischtennis-Bundesliga gereift, aber attraktiver denn je präsentieren.