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Die Saison 1996/97 verhieß „die stärkste Liga aller Zeiten: Nie war sie so wertvoll wie heute: Fast alle Teams in der Lizenzliga haben teuer aufgerüstet.“ (dts 8/96, S.24). Tatsächlich waren in dieser „Europaliga, eigentlich ja schon Weltliga“ (Kay-Andrew Greil) gerade noch 14 als Deutsche geborene Akteure zu finden. Die Klubs hatten ihre Konsequenzen aus dem Bosmann-Urteil gezogen und insgesamt zwölf EUAusländer verpflichtet. Ochsenhausen, Bad Honnef, Düsseldorf und Grenzau mit dem Silbermedaillengewinner von Atlanta, Wang Tao, hießen die Titelfavoriten. Jülich hatte auch nicht „gekleckert“ und keinen geringeren als Olympiasieger Liu Guoliang an Brett 1 aufgeboten. Klassenneuling war ein Team aus dem hessischen Hinterland mit einem 15-jährigen Talent aus dem Odenwald namens Timo Boll an Position 4. Dieser TV Müller Gönnern wurde allgemein als potenzieller Abstiegsaspirant gehandelt. Nach zehn Spieltagen freilich stand Gönnern mit ausgeglichenem Punktekonto im gesicherten Mittelfeld, während Schlusslicht Borussia Aachen-Brand lediglich als „Kanonenfutter“ fungierte und die sportliche Lage von Bayreuth und Lübeck auch nicht gerade rosig war. Oben lieferten sich Bad Honnef und Ochsenhausen ein Kopf-an-Kopf-Rennen, mit vier Zählern Rückstand folgten Grenzau und Düsseldorf. Ochsenhausen hatte die Nase am Rundenende vorn, das sich zeitweise mit Rückzugsgedanken tragende Honnef freilich war auf Rang 4 zurückgefallen. Düsseldorf und Grenzau indes hatten sich auf die Ränge 2 und 3 vorschieben können. Einen hervorragenden sechsten Platz mit positivem Punktestand belegte das Team aus Gönnern. Neben Aachen, das keinen einzigen Zähler zu erringen vermochte, belegten Sontheim, Bayreuth und das ambitionierte Lübeck die vier Abstiegsränge, die deswegen nötig waren, weil die Liga ab der folgenden Saison auf zehn Teams verkleinert werden sollte. Als beste Einzelspieler setzten sich der für Düsseldorf startende Weißrusse Vladimir Samsonov sowie der in Bad Honnef spielende Belgier Jean-Michel Saive in Szene. Im 2. Paarkreuz brillierte der bei Zuschauerkrösus Ochsenhausen – über 1.000 Besucher wollten pro Spiel die Oberschwaben sehen – seine Brötchen verdienende Russe Dimitrij Mazunov mit einer 29:2-Bilanz. Der jugendliche „Nobody“ Timo Boll landete in dieser Statistik mit 12:15 auf Position 22. In den Halbfinalspielen setzten sich Grenzau gegen Düsseldorf und Ochsenhausen gegen Bad Honnef durch. Im Play-Off-Finale standen sich folglich Grenzau und Ochsenhausen gegenüber und tatsächlich gelang es den Württembergern in der Besetzung Persson, Franz, Mazunov und Lengerov, ihren ersten Meistertitel zu erringen. Allerdings brachte erst das dritte Finalspiel vor 2.200 Zuschauern in Biberach die Entscheidung zugunsten Ochsenhausens, das dann mit einem 6:2-Erfolg für deutliche Verhältnisse sorgte.
Nun also war Ochsenhausen vom Jäger zum Gejagten geworden und musste in der Saison 1997/98 seinen Titel zu verteidigen suchen. Die Konkurrenz aus Grenzau und Düsseldorf lauerte bereits in den Startlöchern. Aber auch Jülich traute man zu, ein Wörtchen um die Titelvergabe mitzureden, war doch Manager Arnold Beginn mit der Verpflichtung des äußerst spielstarken 19- jährigen Chinesen Wang Liqin, später Weltmeister und Weltranglistenerster, ein besonderer Coup gelungen. Die Internationalisierung der Liga schritt generell weiter voran. So waren in dieser Spielzeit nur noch sechs in Deutschland geborene Akteure an den Brettern 1 bis 4 gemeldet. Der neue Modus sah so aus: zehn Teams, nach Hin- und Rückrunde Zweiteilung der Liga in eine Meisterschafts- (1.-5.) und eine Abstiegsrunde (6.- 10.) unter Mitnahme der Punkte. Nach Abschluss der Vorrunde führte Düsseldorf vor Grenzau, Gönnern und Ochsenhausen, Jülich rangierte lediglich auf Platz 8. Ein Grund für Gönnerns unerwartet gute Platzierung war auch der Umstand, dass Timo Boll im 2. Paarkreuz eine Zwischenbilanz von 8:3 erreicht hatte. Überragender Mann im vorderen Paarkreuz war einmal mehr Vladimir Samsonov (Düsseldorf) mit einer beeindruckenden 37:6-Bilanz, hinten glänzte Torben Wosik (Bad Honnef). Bestes Doppel war die Düsseldorfer Paarung Samsonov/Rosskopf, die nahezu unschlagbar schien. Düsseldorf, Grenzau, Ochsenhausen, Gönnern und Jülich schafften es in die Meisterschaftsrunde, der Rest der Liga hatte gegen den Abstieg zu kämpfen. Allerdings waren Hannover und Mülheim bereits abgeschlagen, so dass Würzburg, Frickenhausen und Bad Honnef nicht wirklich zittern mussten. Borussia Düsseldorf sicherte sich mit einem 5:5 in Jülich am vorletzten Spieltag vorzeitig den 19. Meistertitel.
Sollte den Düsseldorfern mit ihren beiden Leistungsgaranten Samsonov und Rosskopf 1998/99 die Titelverteidigung gelingen? Auch Grenzau, mit Chen Zhibin verstärkt, und Ochsenhausen wollten bei der Titelvergabe ein gewichtiges Wörtchen mitsprechen. Gönnern mit Neuzugang Richard Prause durfte mit zwei in Deutschland geborenen Spielern als der bodenständigste Klub des Oberhauses gelten. Timo Boll durfte nun als Nr. 2 im vorderen Paarkreuz ran. Bad Honnef versprach sich einiges von der Verpflichtung des durch seinen gefürchteten Vorhandschwinger auch eminent angriffsstarken Abwehrstrategen Ding Song – er galt damals als der weltbeste Verteidigungsspieler. Überhaupt schien die Liga diesmal ausgeglichener besetzt denn je, es ließ sich partout nicht eine schwache Mannschaft im Vorfeld ausmachen. Das Medieninteresse an der Eliteklasse wuchs, auch wenn diese in jener Saison nicht die Sollstärke erreichte und lediglich neun Teams aufwies. So übertrug das DSF immerhin 13 Ligaspiele der Vor- und Rückrunde, allerdings zeitversetzt und auf jeweils eine Stunde verkürzt. Am dritten Spieltag brachte Timo Boll im Match Düsseldorf gegen Gönnern Vladimir Samsonov die erste Saisonniederlage bei, im siebten Saisonspiel seines Klubs bezwang er Ding Song, entwickelte sich also weiterhin prächtig und hatte sich rasch im Spitzenpaarkreuz akklimatisiert. Nach Abschluß der Vorrunde führte Grenzau verlustpunktfrei die Tabelle an, gefolgt von Düsseldorf, Jülich und Gönnern. Am Ende der Rückrunde war auf den beiden Spitzenrängen keine Änderung zu verzeichnen, allerdings hatte sich Ochsenhausen noch an Jülich und Gönnern vorbei auf Platz 3 geschoben. Mit lediglich einem Punkt auf der Habenseite war das Team Galaxis Lübeck nicht zu retten und musste die Klasse verlassen. In den Play-Off-Halbfinals setzen sich Frickenhausen gegen Titelverteidiger Düsseldorf und Grenzau gegen Jülich durch, so dass es zum Finale zwischen Frickenhausen und Grenzau kam, in dem die Westerwälder die Oberhand behielten, indem sie – nach einem Hinspielremis – das Rückspiel in heimischer Halle klar und deutlich mit 6:1 für sich entschieden.
In der Saison 1999/2000 konnte wieder mit zehn Teams gespielt werden, hinzugekommen waren die TTG RS Hoengen und der SV Plüderhausen. Vor der Saison sprach alles von Ochsenhausen, Bad Honnef und Düsseldorf als den heißen Meisterschaftsanwärtern, aber Titelverteidiger Grenzau mit Chen Zhibin, Korbel, Blaszczyk, Fetzner und Spielertrainer Grubba war schließlich auch noch da und übernahm Anfang November die Tabellenführung. Kuriosität am Rande: Timo Boll hatte das Kunststück fertiggebracht, im Spiel in Hoengen gegen dessen Spitzenspieler Chen Weixing bei seiner Zweisatzniederlage den ersten Durchgang mit 1:21 zu verlieren. Einen Spieltag vor Schluss hatte sich das mit acht Minuspunkten belastete Ochsenhausen „klammheimlich“ an Grenzau vorbei auf Platz 1 geschoben, das nun zusammen mit Gönnern und Düsseldorf punktgleich (alle 25:9) das Verfolgerfeld bildete – eine wahrlich spannende Tabellenkonstellation. Am Ende freilich hatte Ochsenhausen in der Tabelle die Nase vorne, dicht gefolgt von Grenzau, Gönnern und Düsseldorf. Im Finale standen sich schließlich Topfavorit Ochsenhausen und Titelverteidiger Grenzau gegenüber und es war eine extrem knappe Angelegenheit. Nach einem 6:4-Hinspielsieg reichte den Oberschwaben eine 4:6-Niederlage im Rückspiel, um aufgrund ihres 1. Platzes nach Abschluß der Hauptrunde zu Meisterehren zu kommen. Für den neuen Vizemeister Grenzau freilich war dieses vorzügliche Abschneiden – schließlich hatte man dem favorisierten Gegner alles abverlangt – mehr als bloß ein Achtungserfolg.
Eine Saison der Neuerungen stand 2000/2001 ins Haus. Nicht nur der 40-mm-Ball bot Diskussionsstoff, einschneidender noch war die Abschaffung des Play-Off-Systems: „Nach 16 Jahren wird die beste Mannschaft nach 18 Spielen auch wieder Deutscher Meister sein“, wie Dietmar Kramer im dts (8/2000, S.33) zweifelsfrei feststellte. Topfavorit war der TTC Zugbrücke Grenzau, der sich mit Ma Wenge vom Titelverteidiger und Ligakonkurrenten Ochsenhausen eindrucksvoll verstärkt hatte. Auch Gönnern hegte nun Ambitionen auf einen Platz ganz oben, hatte man es doch geschafft, den vormaligen Düsseldorfer Borussen „Rossi“ zurück in seine hessische Heimat zu holen und mit ihm das Team erfolgversprechend aufzurüsten. Mit Timo Boll bildete er nunmehr das Spitzenpaarkreuz des TV-RE BAU Gönnern. Champion Ochsenhausen bot Kreanga, Chuang Chih-Yuan, Franz, Karakasevic und Crisan auf und galt als gut, aber den Grenzauern nicht ebenbürtig besetzt. Offenburg mit Wang Yansheng und der osthessische Klub Fulda- Maberzell mit dem 41-jährigen Austrochinesen Ding Yi an Brett 1 waren als Klassenneulinge zu den deutschen Topteams gestoßen. Tatsächlich zog denn auch Grenzau bereits in der Vorrunde vorne einsam seine Kreise und führte verlustpunktfrei die Tabelle vor Gönnern an. Im Mittelfeld jenseits von Gut und Böse angesiedelt war Rekordmeister Düsseldorf, der aus der Not eine Tugend gemacht und verstärkt auf junge, talentierte Spieler wie etwa den Dänen Michael Maze gesetzt hatte. Tief in den Abstiegskampf verstrickt waren dagegen Plüderhausen sowie das von Verletzungspech heimgesuchte Maberzell. Mit 35:1 Zählern – lediglich gegen den Titelverteidiger aus Ochsenhausen hatte es vor heimischer Kulisse nur zum Remis gereicht – sicherte sich Zugbrücke Grenzau am Ende souverän den Meistertitel, vier Punkte vor dem zweitplatzierten TTV Gönnern, gefolgt von Ochsenhausen, Frickenhausen und Düsseldorf. Absteigen musste Fulda-Maberzell, während der Vorletzte Plüderhausen als „Lucky Loser“ vom Aufstiegsverzicht des Nord-Zweitligameisters Hannover profitierte und der Liga erhalten blieb. Die Top 10 des vorderen Paarkreuzes führte Ma Wenge an vor Petr Korbel, Jörg Rosskopf, Chen Weixing und Timo Boll, im 2. Paarkreuz stach Grenzaus Chen Zhibin mit einer 16:3-Bilanz hervor.
Im Vorfeld der Spielrunde 2001/2002 hegten vier Teams Titelträume: Titelverteidiger Grenzau, Ochsenhausen, Gönnern und Frickenhausen. Aufgrund einer neuerlichen Änderung des Modus hatten die Meisterschaftsanwärter jedenfalls länger zu arbeiten als in der Vorsaison, da es wieder eine Play-Off- Runde, diesmal bestehend aus den ersten Sechs, gab. Die Mannschaften auf den Plätzen 3 bis 6 hatten zunächst Viertelfinalspiele zu bestreiten, die Sieger trafen dann im Semifinale auf die beiden gesetzten Klubs, die Tabellenrang 1 und 2 erobert hatten. Hinzu kam natürlich der Umstand, dass nun auch im Oberhaus die neue Zählweise mit drei Gewinnsätzen bis 11 griff. Somit hatten die Akteure mit reichlich Umstellungen umzugehen. Mit einem Paukenschlag begann die Saison, nämlich dem 5:5 des „Underdogs“ und Hauptabstiegskandidaten Würzburger Hofbräu gegen das Boll-Team aus Gönnern. Bis Ende der Vorrunde freilich hatte sich einiges normalisiert. So rangierte Würzburg punktgleich mit Hoengen bereits ganz hinten, vier Punkte hinter einem Nichtabstiegsplatz. Und oben dominierte verlustpunktfrei Grenzau vor Ochsenhausen und Gönnern. Am Ende hatten die Westerwälder sechs Zähler Vorsprung auf Frickenhausen und Gönnern. Dahinter qualifizierten sich ferner Ochsenhausen, Düsseldorf und Jülich für die Play-Offs. Die Absteiger waren Hoengen, das ab der Saison 2002/03 mit Jülich fusionieren würde, und Schlusslicht Würzburg. In den Halbfinalspielen setzten sich Grenzau gegen Ochsenhausen und Gönnern gegen Frickenhausen jeweils hauchdünn durch. Das packende Finalhinspiel endete 5:5, das Rückspiel in der hoffnungslos überfüllten Zugbrückenhalle zu Grenzau entschied der Gastgeber deutlich mit 6:2 für sich, nachdem Petr Korbel im vorentscheidenden Match Timo Boll knapp hatte bezwingen können. Nach dem Erfolg hielt die Grenzauer Champions nichts mehr: sie nahmen ein kühles Freudenbad im nahen Brexbach.
Trotz umstrittener, erst im dritten Anlauf erteilter Lizenzen durften Offenburg, Plüderhausen und Aufsteiger Karlsruhe-Neureut in der Saison 2002/2003 im Oberhaus antreten. Mit der Titelvergabe konnten diese drei freilich wenig zu tun haben im Gegensatz zu den Topfavoriten Grenzau, Gönnern und Frickenhausen. Sebstbewußt ging Aufsteiger TTG Müller Munscheid ins Rennen, dessen „Macher“ Frank Müller, selbst als unorthodox agierender Materialkünstler im erweiterten Team stehend, einen durchaus konkurrenzfähig erscheinenden Kader zusammengebastelt hatte, dem unter anderem sogar Carl Prean angehörte. Diesmal qualifizierte sich übrigens lediglich das bestplatzierte Quartett für die Play-Offs, von der „Sechser-Regelung“ der Vorsaison war man aus gutem Grund wieder abgerückt. Grenzau stand bald einsam in vorderster Front, als einziger konkurrenzfähiger Verfolger erwies sich das Boll-Team aus Hessen, während Jülich/Hoengen, Frickenhausen, Ochsenhausen und Düsseldorf das breite Mittelfeld bildeten. Plüderhausen, Karlsruhe, Munscheid und Offenburg waren in den Abstiegskampf involviert. Letztere zwei Klubs erwischte es schließlich auch, während an der Tabellenspitze nach Abschluss der Rückrunde unverändert Grenzau vor Gönnern thronte. Düsseldorf und Ochsenhausen hatten sich die weiteren Play-Off- Plätze gesichert, Frickenhausen war dagegen leer ausgegangen. Im Semifinale scheiterte Gönnern an Düsseldorf durch ein drastisches 0:6 im Rückspiel, während der Titelverteidiger Ochsenhausen ausschalten konnte. Das erste Finalspiel vor 1.700 Zuschauern im Tischtenniszentrum am Düsseldorfer Staufenplatz ging mit 6:4 an die Westerwälder. Eigentlich standen nun die Weichen auf Titelverteidigung, doch es kam anders: im Rückspiel schwang sich der Außenseiter zu einer sensationellen Leistung auf und schlug Grenzau in der „Höhle des Löwen“ 6:3. Als Bastian Steger den Siegpunkt gegen Chen Zhibin errungen hatte, musste er befürchten, unter der Traube siegestrunkener Düsseldorfer Spieler und Offizieller förmlich erdrückt zu werden. Dies war der 20. Deutsche Meistertitel für das Team von Andreas Preuß. Der Trainer der „jungen Wilden“ im Dress des Rekordchampions durfte fraglos als der Vater dieses Triumphs gelten.
Einer der Stars der Saison 2003/2004 war schon vor dem ersten Ballwechsel gekürt. Es handelte sich um Tischtennislegende Jan-Ove Waldner, der zurück nach Deutschland gekommen war und beim SV Weru Plüderhausen unterschrieben hatte. Unter den Titelaspiranten befand sich erneut der TTV RE-BAU Gönnern. Würde dem von dem erfahrenen Helmut Hampl gecoachten Team diesmal der Griff nach dem Meisterpokal gelingen oder würde eher der allmählich aufkommende Ruf des „ewigen Zweiten“ – immer nahe dran, doch am Ende nie ganz oben – zementiert werden? Andererseits plagten zeitweilig Finanznöte aufgrund einer schwierigen Sponsorensituation den mit Boll, Rosskopf, Keinath und Grujic gut besetzten Bundesligisten, so dass am Ende alle Beteiligten froh sein mussten, dass es im hessischen Hinterland überhaupt mit Weltklassetischtennis weitergehen konnte. Sportlich dominierte einmal mehr Grenzau, nun noch verstärkt durch Nationalspieler Zoltan Fejer-Konnerth, den Ligaalltag. Lediglich Ochsenhausen konnte Anschluss halten. Frank Müller hatte zwischenzeitlich sein Engagement umorientiert und sich ganz dem Aufsteiger Würzburger Hofbräu gewidmet, den er von nun an als Sponsor, Manager und Spieler – besonders im Doppel gefürchtet – bereicherte. Dennoch befand sich die mit Chtchetinine, Feng Zhe und Fan Changmao keineswegs schwach besetzte Truppe zusammen mit Plüderhausen und Karlsruhe-Neureut, das mittlerweile eine Spielgemeinschaft mit Offenburg eingegangen war, im Abstiegskampf wieder. Am Ende der Rückrunde war Ochsenhausen bis auf einen Punkt an Grenzau herangerückt, gefolgt von Düsseldorf und Gönnern. Einziger regulärer Absteiger bei nur neun Bundesligisten war Karlsruhe/Offenburg, während sich Müller Würzburger Hofbräu auf einen Nichtabstiegsrang hatte retten können. In den Play-Offs zogen Gönnern gegen Grenzau und Düsseldorf gegen Ochsenhausen jeweils den kürzeren, so dass es zum Traumfinale der beiden die Liga dominierenden Teams kam. Nach einem 5:5 in eigener Halle schwangen sich die von Leo Amizic trainierten Oberschwaben zu einer phantastischen Leistung im Rückspiel zu Grenzau auf und verpassten den Westerwäldern eine empfindliche 6:1- Klatsche. Ausgerechnet der überragende Akteur der Liga, Ma Wenge, war in den Finalspielen, seinen letzten beiden Einsätzen für Grenzau, ohne jeden Einzelerfolg geblieben. In Biberach-Ochsenhausen bereiteten die Fans hingegen dem erfolgreichen Team, das den dritten Deutschen Meistertitel nach Oberschwaben geholt hatte, einen triumphalen Empfang.
Ohne Karlsruhe-Neureut ging es in die Saison 2004/2005. Der sportlich verfehlte Klassenerhalt wäre zwar am grünen Tisch nachträglich möglich geworden, um die Sollstärke der Liga wieder zu erreichen, jedoch konnte den Badensern diesmal aufgrund unzureichender Nachweise keine Lizenz erteilt werden. In einer ausgeglichen besetzten Liga war Ochsenhausen neue Konkurrenz erwachsen. Zwar hatte Vorjahresvize Grenzau erheblich „abgespeckt“, jedoch konnte sich etwa Frickenhausen mit Ma Wenge und Bojan Tokic eindrucksvoll verstärken. Zudem hatte Frank Müller gut eingekauft und mit Petr Korbel und dem Hongkongchinesen Leung zwei Weltklassespieler nach Mainfranken geholt. Plüderhausen hatte zu Waldner nun auch noch dessen Landsmann Persson gesellt und damit ein magisches Schweden-Duo im vorderen Paarkreuz aufgestellt. Und mit dem Boll- Klub Gönnern musste man ohnehin immer rechnen, auch wenn dieser nicht nach den Sternen greifen wollte und sich „nur“ mit dem 17-jährigen Rheinhessen Patrick Baum verstärkte, einem der größten deutschen Talente. Mit dem Aufsteiger TSV Gräfelfing, der mit „Feierabendprofis“ mit Kämpferherz wie Martin Schauer bestückt war, hatte die Liga einen echten Underdog, der vom ersten Spieltag an als Absteiger feststand. Dennoch bereicherten die Bayern das Oberhaus und brachten eine ganz besondere Note ein, indem sie den Weg ihres Teams durch dieses eine Jahr der Erstklassigkeit förmlich zelebrierten und jeden auch noch so aussichtslosen Auftritt zum Event werden ließen, das zahlreiche Zuschauer anzog. Von Gräfelfing konnte man etwas von der hohen Kunst lernen, mit Gewinn zu verlieren und mit sportlichen Misserfolgen erhobenen Hauptes, ja fröhlich umzugehen. Man erreichte in Zeiten, in denen manche Zweitligisten das Risiko eines Aufstiegs scheuten wie der Teufel das Weihwasser, mühelos das vor der Runde ausgegebene Saisonziel, nämlich zu „zeigen, dass sich ein Aufstieg lohnt“. Doch die eigentliche „Musik“ spielte natürlich in anderen Tabellenregionen. Tatsächlich blieb es eine bis zum Schluss eminent spannende Runde mit Play-Off-Chancen für sechs Klubs, nämlich Würzburg, Düsseldorf, Plüderhausen, Frikkenhausen, Ochsenhausen und Gönnern. Die Hessen scheiterten, nicht zuletzt, weil „Mister Tischtennis“ Jörg Rosskopf eine Formkrise durchlief. Am Ende sicherten sich Düsseldorf, wo Christian Süß im 2. Paarkreuz zu glänzen wusste, Frickenhausen, Würzburg und Ochsenhausen, das mit Chuang und Crisan zwei der drei erfolgreichsten Spieler im vorderen Paarkreuz stellte, die begehrten vier Plätze. Nun freilich wurden die Karten neu gemischt. Würzburg schaltete im Halbfinale den Titelverteidiger aus, Frickenhausen den Rekordmeister sogar überdeutlich. Es kam zum großen Final-Show-Down: nach dem 5:5 im Hinspiel nutzte der Müller-Klub die Chance, vor 2.500 begeisterten Zuschauern in heimischer Halle alles klar zu machen. Nicht zuletzt dank eines überragenden Petr Korbel schlug Würzburg den württembergischen Widersacher mit 6:2 und errang damit erstmalig den Deutschen Meistertitel.
Die natürlich auch zur 4. Dekade zählende, noch laufende Saison 2005/06 wird in einem gesonderten Artikel behandelt. Neben Dutzenden von großartigen Tischtennisspielern aus Europa und Asien, die in den letzten zehn Jahren in der Bundesliga antraten und diese nachhaltig prägten, hat ein Ausnahmesportler diesem vierten Abschnitt unserer Bundesligageschichte seinen ganz besonderen Stempel aufgedrückt. Timo Boll hat sich in jenem Zeitraum rasant entwickelt und kometenhaft an die Weltspitze katapultiert, eine Traumkarriere, an der auch die Tischtennisbundesliga einen Anteil hat. Ein großer Sympathieträger und Publikumsmagnet war auch „Heimkehrer“ Jan-Ove Waldner. Die Auftritte des „Tischtennis-Mozarts“ – zunächst in Plüderhausen und heute in Fulda-Maberzell – zählten und zählen noch immer zu den unbestrittenen Highlights der deutschen Eliteliga und strahlen eine ganz besondere Faszination aus.