Herne Tischtennis Club RuhrstadtTG 1837 Hanau
TTC Zugbrücke GrenzauTTF LIEBHERR Ochsenhausen
SV Werder BremenTSV Gräfelfing
SV PlüderhausenBorussia Düsseldorf
TTC RhönSprudel Fulda Maberzell1. FC Saarbrücken

2. Dekade - 1976/1977 bis 1985/1986

Mit Kuhglockengeläut und Beifallsgetrampel peitschten 1800 Fans im großen Finale der Saison 1976/77 den SSV Reutlingen zum ersten Deutschen Meistertitel. Das Stellwag-Sextett fing Tabellenführer PSV Borussia Düsseldorf mit 9:5 auf der Zielgeraden ab. „Unsere Spieler haben die Belastung durch die Zuschauerkulisse nicht verkraftet. Solche Besucherzahlen haben wir in Düsseldorf nicht“, kommentierte PSV-Coach Hans Wilhelm Gäb. Für einen neuen Zuschauerrekord von 31.355 (51 Prozent mehr als in der Vorsaison) sorgten neben dem neuen Meister Reutlingen (8950), die Aufsteiger Calw (6750) und Hamm (3600). Absteigen musste der 1. FC Saarbrücken nach vierjähriger Bundesliga-Zugehörigkeit. Das beste vordere Paarkreuz der Liga bildeten die Reutlinger Peter Stellwag (30:2) und Peter Engel (25:5). Titelverteidiger Altena landete abgeschlagen auf dem vierten Platz. Die Lieck-Truppe konnte den Abgang von Rolf Jäger, den es wenige Tage vor Wechselfrist trotz gültigen Vertrages nach Calw zog, nicht verkraften. Apropos Jäger: Mit dem Jägermeister- Hirsch-Logo auf dem Trainingsanzug und der Spitzenmarke des Sponsors im Vereinsnamen legten die Calwer den Grundstein für Sport-Sponsoring einer anderen Dimension. Erregte damals der Magenbitter die sportlichen Gemüter, stellt die Werbung mit dem Stoff heute ein überlebenswichtiges Geschäft dar.

Desmond DouglasDie Jägermeister aus Calw bliesen mit der Verpflichtung von Dragutin Surbek in der Saison 1977/1978 zur Jagd auf Reutlingen, kräftig unterstützt von Aufsteiger „Simex”, das mit Jochen Leiß und Richard Fritz in der Spitze und mit Wodka und Krimsekt im Gepäck nach dem Titel dürstete. Farbe in den Bundesligaalltag brachte aber eine schwarze Perle im Düsseldorfer Trikot. Der Brite Desmond Douglas bewegte sich geschmeidig wie eine Katze am Tisch, blockte wie ein Weltmeister, spielte auf Anhieb eine 24:3-Bilanz und war der Garant für den Düsseldorfer Meistercoup. Calw wurde Vizemeister und Aufsteiger Jülich Dritter. Dem zweiten Aufsteiger Herbornseelbach fehlten vier Punkte am Klassenerhalt. Mit der FTG Frankfurt verabschiedete sich ein weiterer hessischer Bundesligist aus der Eliteklasse.

Bad Hamm Zuschauerkrösus 1978/1979

Die Saison 1978/1979 begann mit einem Knaller. Underdog Grün-Weiß Bad Hamm besiegte mit Reutlingen und Calw gleich zwei Mitfavoriten innerhalb von nur zwei Wochen. Am Ende landete das Vatheuer- Team zwar nur auf Platz sieben, rangierte aber in der Zuschauergunst mit durchschnittlich 600 Zuschauern ganz oben. Den Titel verteidigten derweil die Düsseldorfer souverän mit sieben Punkten Vorsprung auf Jülich, das den Düsseldorfern den einzigen Verlustpunkt der gesamten Runde zufügte. Ausgerechnet am letzten Spieltag verlor Desmond Douglas gegen Surbek sein einziges Einzel. Altmeister Eberhard Schöler verabschiedete sich mit einer 21:7-Bilanz im hinteren Paarkreuz für alle Zeiten aus der Bundesliga. Die Aufsteiger Moltkeplatz Essen und der TSV Selk erlitten ein ähnliches Schicksal wie im Vorjahr Herbornseelbach und mussten prompt wieder absteigen.

Engelbert HügingTrotz erheblicher Investitionen sollte die Bundesligakonkurrenz auch in der Saison 1979/80 das Nachsehen haben. Rekordmeister Düsseldorf schaffte mit mannschaftlicher Geschlossenheit, einem gesunden Selbstvertrauen und einer großen Portion Disziplin den Hattrick. Vor der Rekordkulisse von 2400 Zuschauern in der Duisburger Rhein-Ruhr-Halle ließ der Rekordmeister am viertletzten Spieltag Kronprinzen Jülich, das sich mit dem Amerikaner Danny Seemiller verstärkt hatte, wie einen Statisten aussehen. Mit Seemiller stellten die Jülicher zwar den lautstärksten und mit Engelbert Hüging den laufstärksten Spieler, doch nur die oft gescholtenen Leiß und Fritz punkteten für die Herzogstädter, die wiederum Vizemeister wurden. Jägermeister Calw war die große Enttäuschung der Saison. Trotz Spielern wie Surbek, Sefried, Vecko, Heggenberger, Brenner und Turzo landete Calw auf einem Abstiegsplatz und sollte ein Jahr später konkurs gehen.

Über 50.000 Zuschauer

Matthias HöringDie Saison 1980/1981 setzte neue Glanzlichter. Die Zuschauerzahl stieg dank Aufsteiger ATSV Saarbrücken auf knapp 50.000. Peter Stellwag rangierte als bester deutscher Spieler auf Position acht. Mit Ulf Carlsson, Stellan Bengtsson (beide Jülich), Ulf Thorsell und Mikael Appelgren (beide Reutlingen) entdeckten die Schweden die Bundesliga. Das schwache Abschneiden der deutschen Akteure entfachte eine heftige Diskussion um die Ausländerregelung. Während sich die Bundesligavereine vehement dagegen aussprachen, nur noch einen Ausländer zuzulassen, hielten Funktionsträger im Deutschen Tischtennis-Bund die Reduzierung für überfällig, um junge Talente an die nationale Spitze heranzuführen. Einiges blieb dagegen beim Alten: Düsseldorf („Ein Vollprofi und fünf Kaufleute“ – Journalist Elmar Schneider im dts) holte den zehnten Meistertitel. Desmond Douglas verlor, außer dem Auftaktspiel gegen den Frankfurter Wang, kein einziges Spiel. Mit dem TTC Mörfelden stieg ein Club der ersten Stunde ab, die Frankfurter Eintracht blieb der Bundesliga trotz massiver Auflösungserscheinungen erhalten. Jülich feuerte Spitzenspieler Bengtsson, der im vorentscheidenden Spiel um die Meisterschaft gegen Düsseldorf wegen einer fiebrigen Erkältung nicht auflief.

Mit dem SSV Heinzelmann Reutlingen und dem TTC Simex Jülich mit Weltenbummler Engelbert Hüging trafen am ersten Spieltag der Saison 1981/82 zwei Topmannschaften aufeinander. Nach dem 9:6- Sieg sprach man in Reutlingen von einem neuen Geist. Doch Appelgren und Co schafften nur die Vizemeisterschaft. Der Meister blieb der Alte und hieß zum elften Mal PSV Borussia Düsseldorf. Dass den Mitfavoriten aus Reutlingen, Jülich, Altena und Saarbrücken einmal mehr nur respektvolles Staunen blieb, hat einen einfachen Grund: Im Team stimmt es einfach. Die Spieler sind beruflich oder geschäftlich eng mit dem Verein verbunden. Die Clubführung gewährleistet Stabilität und Planungssicherheit. Die Mannschaft trainiert zusammen und ist sportlich und menschlich gereift. Bundesligatourismus wie beispielsweise in Hamm, wo die eigenen Spieler meist eine längere Anreise haben als die Gäste, ist in Düsseldorf ein Fremdwort. Einbremsen konnte den Rekordmeister Anfang der 80er Jahre nur eine Übermannschaft. Auch wenn der ATSV Saarbrücken mit Peter Engel einen Topspieler ins Saarland holte, für höhere Aufgaben war das Rebmann-Team noch nicht in der Lage. Mit Neuling Esslingen hielt wenigstens ein Aufsteiger die Klasse. Herbornseelbach und die Frankfurter Eintracht mussten ins Gras beißen.

Jan-Ove WaldnerDie Saison 1982/83 brachte die von vielen erhoffte Wachablösung im Oberhaus. Der ATSV Saarbrücken errang seinen ersten Meistertitel und durfte sich dafür bei Grün-Weiß Bad Hamm bedanken. Denn dem Vatheuer-Club gelang ein sensationeller 9:5-Sieg in Düsseldorf. Am vorletzten Spieltag feierten die Saarländer mit Georg Böhm und Stellan Bengtsson als neue Führungspersönlichkeiten nach einem dramatischen 9:7-Sieg bei Pokalsieger Jülich die Meisterschaft. Der Saarbrücker Zuschauerschnitt von 1160 war höher als die Gesamtzuschauerzahlen von Esslingen, Altena, Düsseldorf und Stuttgart. Aufsteiger TTC Zugbrücke Grenzau machte mit einem siebten Tabellenplatz erstmals auf sich aufmerksam. Mit Esslingen und den Stuttgarter Kickers gingen gleich zwei schwäbische Clubs baden. Desmond Douglas blieb der ungekrönte Bundesliga-König und hielt Carlsson, Surbek, Appelgren, Lindh und Bengtsson auf Distanz. Nicht glücklich waren die Vereine darüber, dass erstmalig nur noch ein ausländischer Spitzenspieler pro Mannschaft eingesetzt werden durfte. „Bis jetzt konnte mich noch niemand davon überzeugen, dass zwei Ausländer pro Mannschaft zu viel sein sollen. Sicher, es werden nun zehn Deutsche mehr eingesetzt. Die für mich wesentliche Konsequenz der Neuregelung aber ist, dass durchschnittliche Spieler Summen kassieren, über die ich lieber schweigen will“, stand Bundesliga-Sprecher Wilfried Lieck der Neuerung nicht gerade positiv gegenüber.

Die Saison 1983/84 war an Spannung kaum mehr zu überbieten. Zwei Spieltage vor Schluss lag Titelverteidiger Saarbrücken drei Punkte vor Düsseldorf und hatte es in der Hand, den zweiten Titel in Folge perfekt zu machen. Doch das Rebmann-Team spielte dann in Reutlingen nur Remis und verlor im St. Ingberter Hexenkessel vor 3500 entfesselten Fans unerwartet gegen Düsseldorf. Stunden vor der Begegnung hatte der ATSV-Manager selbstherrlich die Verpflichtung des 18-jährigen Jan-Ove Waldner bekannt gegeben. „Wenn Waldner uns nach zwei Jahren verlassen will oder wir uns von ihm trennen, dann darf er nicht zu einem anderen Bundesliga-Verein wechseln“, tönte der Meistermacher in die Runde. Der Titel blieb dann doch noch im Saarland. Denn im Entscheidungsspiel setzte sich Saarbrücken deutlich mit 9:4 gegen die Düsseldorfer durch. Nach dem Abstieg von Heusenstamm und Herbornseelbach stand Hessen ohne Erstligist da.

Erstmals Play-Off-Spiele

Erstmals in der langjährigen Geschichte der Deutschen Mannschafts- Meisterschaft wurden in der Saison 1984/85 Titelgewinner und Absteiger in einer Playoff- Runde ermittelt. Aus einem Chinesen für Jülich wurde (noch) nichts. Die Bundesliga gewann mit Waldner, Orlowski und Palmi weiter an Attraktivität. Aufsteiger Steinhagen lebte sich gut in der Eliteklasse ein. Die Optiker aus Bayreuth verspielten in den Abstiegs-Play- Offs durch ein 7:9 gegen Bremen den verdienten Klassenerhalt und folgten den sieglosen Hammern in die Zweite Liga. Der ATSV sicherte sich in einem dramatischen zweiten Endspiel gegen Düsseldorf den dritten Titel in Folge. Mit einem glatten 9:5 in Duisburg hatten sich die Saarländer eine glänzende Ausgangsbasis geschaffen. Doch eine Woche später schien Düsseldorf das Unmögliche doch noch wahr zu machen. Die Gäste führten 7:3 und egalisierten mit einem 9:5-Erfolg die Hinspielniederlage. Aber es reichte nicht: Bei gleicher Spieldifferenz (14:14) entschieden die Sätze (37:33) zugunsten der Saarländer.

Georg BöhmDie Kluft zwischen arm und reich sollte in der Saison 1985/86 größer werden. Zugbrücke Grenzau verstärkte sich mit Andrzey Grubba und Engelbert Hüging, in Düsseldorf kam Jörgen Persson für Desmond Douglas. Saarbrücken und die launische Diva Reutlingen waren weitere Titelanwärter. Tippten die Experten auf ein Endspiel Grenzau gegen Saarbrücken, sollten Reutlingen und Düsseldorf das große Finale bestreiten. Das gewann Düsseldorf mit 9:7, was Manager Wilfried Micke veranlasste, von der schönsten aller Meisterschaften zu sprechen. Die Absteiger hießen Portas Heusenstamm und Vahr Bremen. Aufsteiger Hertha BSC Berlin sicherte mit einem 44-jährigen Brettchen-Spieler Manfred Konieczka, der es auf zwölf Siege bei 20 Niederlagen brachte, die Klasse.

Dank europäischer Spitzenspieler mauserte sich die Bundesliga in der zweiten Dekade zur stärksten Liga in Europa. Die schillernste Persönlichkeit der zehn Jahre war unbestritten Desmond Douglas. Er spielte reihenweise die beste Bilanz und führte den PSV Düsseldorf zu fünf der sechs Titel. Sport-Sponsoring verhalf zu professionellem Management. Die Bundesliga war am Ende der zweiten Dekade auf dem Weg zur Profiliga.