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1. Dekade - 1966/1967 bis 1975/1976

DJK TuSa 08 Düsseldorf, der Deutsche Mannschaftsmeister, der ersten Bundesliga-Saison 1966/1967Die Startsaison der Bundesliga 1966/67 mit dem ersten im Ligabetrieb gekürten Meister TuSa Düsseldorf haben wir bereits eingehend behandelt. Doch wie ging es weiter?

In der Saison 1967/68 trat die Liga erstmals mit zehn Teams an. In der Aufstiegsrunde hatten sich der PSV Borussia Düsseldorf, Tennis Borussia Berlin und Eintracht Frankfurt durchsetzen können und rangen nunmehr im Oberhaus zusammen mit den etablierten TuSa Düsseldorf, Moltkeplatz Essen, VfL Osnabrück, TTC Mörfelden, Post SV Augsburg, 1.FC Saarbrücken und SSV Reutlingen um den Titel des Deutschen Meisters. Es entwickelte sich ein packendes Rennen zwischen Essen, den beiden Düsseldorfer Klubs und Altmeister Osnabrück, wobei sich die Niedersachsen, die nach der ersten Halbserie nur hauchdünn die Nase vorn hatten, im Lauf der Runde immer mehr steigerten und sich in der Rückrunde ein wenig absetzen konnten. Am vorletzten Spieltag machte Osnabrück in einem wahren Krimi vor heimischer Kulisse – 1.200 Besucher bedeuteten einen neuen Bundesligarekord – gegen Titelverteidiger TuSa Düsseldorf mit einem 9:7 alles klar, das auch der auf Gästeseite überragende Eberhard Schöler nicht verhindern konnte. Der zweite Deutsche Bundesliga-Meister errang den Titel mit Hans Micheiloff, Bernt Jansen, Ernst und Herbert Gomolla, Reinhard Michel,  Dieter Lippelt und Kalle Dependahl.

Der deutsche Meister 1967/1968, der VfL Osnabrück in der Besetzung: Gomolla, Lippelt, Micheiloff, Jansen, Deppendahl, Michel.Auch in der Saison 1968/69 kämpfte das gleiche Quartett Borussia und TuSa Düsseldorf, Essen und Osnabrück in der Spitzengruppe um Meisterehren. Diesmal freilich machten die Düsseldorfer Borussen das Rennen und gaben Moltkeplatz Essen, das sich einmal mehr mit dem undankbaren zweiten Rang begnügen musste, am letzten Spieltag mit 9:7 das Nachsehen. Garant für den Meistertitel war der frischgebackene Vizeweltmeister Eberhard Schöler – im April hatte er jenes denkwürdige Finale von München gegen den Japaner Shigeo Itoh verloren –, der für die Borussia im vorderen Paarkreuz eine Traumbilanz von 31:2 einfuhr, gefolgt von Bernt Jansen und dem Essener Blockspezialisten Wilfried Lieck. Erfolgreichster Akteur des hinteren Paarkreuzes wurde Schölers Teamkamerad Hans Wilhelm Gäb, heute Ehrenpräsident des DTTB und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Sporthilfe. Das Zuschauerinteresse war unterdessen gewachsen. So stiegen die Gesamtbesucherzahlen gegenüber der Vorsaison von 13.045 auf 15.865, wobei der TTV Metelen mit insgesamt 2.730 Tischtennisfans, also über 300 pro Heimspiel, an der Spitze dieser Statistik rangierte. Absteigen mussten der TTC Mörfelden und Weißblau München. Sie wurden abgelöst durch die Aufsteiger TGS Rödelheim und Mettmanner TV.

In der darauffolgenden Saison 1969/70 präsentierten sich die Düsseldorfer Borussen, nunmehr verstärkt durch Wilfried Lieck, noch souveräner und sicherten sich den Titel verlustpunktfrei in der Besetzung Schöler, Lieck, Micke, Hübner, Reuland, Graef. 29:4 und 26:2 lautete die fantastische Gesamtbilanz des vorderen Paarkreuzes mit Schöler und Lieck, allerdings waren der Augsburger Neß sowie der Osnabrücker Jansen mit 32:4 beziehungsweise 31:4 noch einen Tick erfolgreicher. Vizemeister wurde mit neun Minuspunkten der VfL Osnabrück, gefolgt von TuSa Düsseldorf und Eintracht Frankfurt. Der hessische Aufsteiger aus Rödelheim packte im Zielfinish den Klassenerhalt und verdammte – nicht ganz frei von Tragik – den traditionsreichen, mehrmaligen Vizemeister Moltkeplatz Essen zum bitteren Gang in die Oberliga. Auch der SSV Reutlingen musste als Tabellenletzter die Liga vorerst verlassen. Den Aufstieg schafften erneut Weißblau München sowie erstmals auch der Meidericher TTC.

Borussia DüsseldorfFast ein wenig Langeweile kam – zumindest ganz oben – in der Spielzeit 1970/71 auf, da die die Liga nach Belieben dominierenden Düsseldorfer Borussen erneut das Kunststück fertigbrachten, ohne jeden Minuspunkt zu Meisterehren zu gelangen. Die Plätze 2 bis 4 gingen an Aufsteiger Meiderich sowie Frankfurt und Mettmann. Hauchdünn scheiterte München erneut und wurde von Augsburg auf den unglückseligen vorletzten Platz verwiesen, während die mittlerweile personell ausgedünnte ehemalige Spitzenmannschaft TuSa Düsseldorf mit lediglich einem Zähler aus 18 Partien das Tabellenende zierte. Mit einer 30:5-Bilanz im vorderen Paarkreuz wurde erstmals der Frankfurter Klaus Schmittinger zum erfolgreichsten Bundesligaspieler. Ein Zuschauerrückgang auf insgesamt 10.220, im Schnitt also nur noch 113 pro Spiel, beunruhigte ein wenig. Allerdings hatten alleine 960 Tischtennisfreunde das Spitzenspiel des zweiten Rückrundenspieltags zwischen dem Meidericher TTC und Borussia Düsseldorf live erlebt, das die unbezwingbaren Borussen im Schongang mit 9:1 nach Hause gebracht hatten. Das erstmals „an einem Stück“ in Darmstadt ausgetragene Aufstiegsturnier entschieden übrigens Hertha BSC Berlin und Altbundesligist TTC Mörfelden gegen die nicht minder namhaften Konkurrenten TSV Milbertshofen und Moltkeplatz Essen für sich.

1971/72 kam es zur ersehnten Wende in der Titelvergabe, der Mettmanner TTV setzte sich knapp vor Meiderich und schon etwas deutlicher vor dem Titelverteidiger aus der Landeshauptstadt durch und nahm die Wachablösung vor, die nötig war, um die Bundesliga nicht zu monoton werden zu lassen. Die leistungsmäßige Dominanz der WTTV-Teams stach ins Auge. Keine Rettung gab es für Altmeister Osnabrück und Augsburg, das nicht einen Zähler zu erringen vermochte. Im Spitzenpaarkreuz dominierte der Mettmanner Leiß, gefolgt von dem Frankfurter Schmittinger. Im mittleren Paarkreuz erspielte sich etwas überraschend der junge Rödelheimer Wilfried Warnke mit 29:5 die Spitzenposition. Zuschauermäßig ging es wieder bergauf, 16.975 Besucher insgesamt, davon 3.300 in Mettmann, dokumentieren dies. Aufsteiger waren TuS Nachrodt, der dann in Liga 1 zunächst unter dem Namen TTG Altena- Nachrodt antrat, und TSV Milbertshofen.

In der folgenden Saison 1972/73 hieß der Titelfavorit wieder Borussia Düsseldorf, die es geschafft hatten, mit Jochen Leiß einen der stärksten deutschen Spieler vom benachbarten Titelverteidiger Mettmann „loszueisen“. Nur wenige hatten den Aufsteiger aus Altena auf der Rechnung, obwohl dort mittlerweile Wilfried Lieck angeheuert hatte. Doch der Klassenneuling machte das Rennen und verwies Meiderich, Frankfurt und die enttäuschten Düsseldorfer auf die Plätze. Milbertshofen musste dagegen mit Abstiegsrang 9 vorliebnehmen und für Schlußlicht Metelen gingen ebenfalls die Lichter im Oberhaus aus. Bester Spieler wurde Wilfried Lieck vom neuen Deutschen Meister, der eine Bilanz von 29:4 vorne erzielte. Zuschauerkrösus waren in dieser Saison die Hessen aus Mörfelden, die durchschnittlich 350 Besucher je Heimspiel begrüßen durften. Den Aufstieg schafften der 1. FC Saarbrücken sowie die FTG Frankfurt mit dem späteren Bundestrainer Istvan Korpa und dem späteren Trainer Timo Bolls, Helmut Hampl.

Ralf Wosik1973/74 freilich standen am Ende wieder einmal die Borussen aus Düsseldorf auf dem Siegertreppchen, die der starken Konkurrenz aus Meiderich, Altena-Nachrodt, Saarbrücken und Frankfurt – FTG und Eintracht – enteilen konnten. Hertha BSC und das personell nur noch mäßig bestückte Mettmann mussten absteigen. Stärkste Spieler der Saison im vorderen Paarkreuz waren Klaus Schmittinger (Eintracht Frankfurt, 28:7), Eberhard Schöler (Düsseldorf, 27:7), Wilfried Lieck (Altena, 26:8), Jochen Leiß (Düsseldorf, 25:8), Istvan Korpa (FTG Frankfurt, 24:12) und Peter Stellwag (Reutlingen, 23:12). Mit 24.175 Zuschauern, durchschnittlich rund 270 pro Partie, wurde eine deutliche Steigerung verzeichnet. Besonders beeindruckten die 8.750 Heimbesucher des SSV Reutlingen – also sensationelle knapp 1.000 pro Spiel. Der TTV Metelen meldete sich als Aufsteiger wieder einmal zurück im Oberhaus, begleitet vom unterfränkischen TTC Remlingen, einem echten Neuling im Spitzentischtennis.

Wer glaubte, in der Saison 1974/75 könne sich etwas an der Düsseldorfer Dominanz ändern, war auf dem Holzweg. Entspannt liefen die Borussen mit einem einzigen Minuszähler belastet ins Ziel ein, gefolgt von den klar distanzierten Meiderich, Mörfelden und Altena. Für beide Aufsteiger reichte es nicht zum Klassenverbleib, besonders Metelen blieb chancenlos. Erfreulich weiterhin die Zuschauerresonanz, die Bundesliga-Pressewart Hans Korn in seinem Abschlußbericht (dts 11/75) so skizzierte: „Festzuhalten ist hier vor allem, dass die Zuschauerzahlen weiter gestiegen sind. .... Diesmal waren es sogar 26.785. Natürlich hat dabei der SSV Reutlingen – wie im Vorjahr – die Nase vorn. Er kam allein auf 9.200 Besucher und ist wieder Hochburg.“

Hajo NoltenBesonders erfolgreich spielte gewohntermaßen Jochen Leiß (31:2 an Brett 1). Mit dem Meidericher Peter Engel führte freilich ein relativ frisches Gesicht die Rangliste des 2. Paarkreuzes an und hinten glänzte erstmalig der junge Düsseldorfer Hajo Nolten, der 29 Partien gewann und nur dreimal den kürzeren zog. Mit dem TSV Milbertshofen und dem VfL Osnabrück schafften zwei alte Bekannte die Rückkehr ins Oberhaus.

Eine Wachablösung an der Spitze erfolgte erst wieder 1975/76, als dem mittlerweile als VfB Altena startenden Lieck-Klub der große Wurf gelang. Einen Punkt dahinter musste der Rekordmeister aus Düsseldorf diesmal mit dem undankbaren zweiten Rang vorliebnehmen. Das entscheidende Match zwischen Altena und Düsseldorf (9:7) hatte übrigens noch ein Nachspiel vor der Verbandsgerichtsbarkeit. Die Düsseldorfer legten wegen stark glänzender, spiegelnder Imperial-Tische in der Sauerlandhalle zu Altena Protest gegen die Spielwertung ein, der allerdings von sämtlichen DTTB-Instanzen abgewiesen wurde. Lieck, Stellwag, Leiß und Schmittinger dominierten nicht unerwartet das Spitzenpaarkreuz der Liga, während Hajo Nolten diesmal sogar schon in der Mitte führend war (24:5). Sein Düsseldorfer Mannschaftskamerad Ralf Wosik schnitt mit 21:4 fast ebenso gut ab. Insgesamt rund 6.000 Besucher weniger als in der Vorsaison wurden als Alarmzeichen gewertet. Mit dem traditionsreichen Meidericher TTC zog erstmals ein Verein seine Bundesligamannschaft aus wirtschaftlichen Gründen nach Abschluß der Saison zurück. Davon profitierten die punktgleichen Abstiegskandidaten Milbertshofen und Saarbrücken, deren bereits angesetztes Entscheidungsspiel um den Klassenverbleib hinfällig wurde, während Schlusslicht Osnabrück auch durch derartige „Schützenhilfe“ nicht zu retten war.

RekordkulisseGegen Ende unserer ersten Dekade war die Bundesliga fest etabliert und wurde von Spielern, Verbandsfunktionären, Medien und Öffentlichkeit einhellig als die unumstrittene, alternativlose Eliteklasse des deutschen Tischtennissports betrachtet. Längst waren die Kritiker aus der Gründungsära verstummt, da auch sie anerkennen mussten, dass das erste Jahrzehnt Bundesliga einen deutlichen Aufschwung des Tischtennis im nationalen Herrenbereich bewirkt und Deutschland ein gutes Stück näher an die führenden Nationen der Welt herangebracht hatte. Mit nicht weniger als fünf zwischen 1968/69 und 1974/75 erworbenen Meistertiteln darf Borussia Düsseldorf als die deutsche Tischtennishochburg der ersten Bundesligadekade gelten. Auffallend auch die große personelle Kontinuität der Liga während ihres ersten Jahrzehnts. Eine Handvoll Spitzenkönner ihres Fachs wie Eberhard Schöler, Wilfried Lieck, Jochen Leiß oder Klaus Schmittinger beherrschten die erste Dekade fast nach Belieben und prägten diesen Zeitraum nachhaltig.