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Das Triple im Visier: Düsseldorf will Geschichte schreiben, Ochsenhausen Spielverderber sein

Werden Timo Boll, Andreas Preuß und Dirk Wagner (v.l.) auch am Mittwochabend wieder feiernd auf dem Podest stehen oder triumphieren die Ochsenhausener? (Foto: Roscher).

Mittwoch 19:00 Uhr: Borussia Düsseldorf – TTF LIEBHERR Ochsenhausen

Eine kompatible Erfolgsbilanz gab es lediglich einmal in der deutschen Tischtennisgeschichte, nämlich vor 23 Jahren in der Saison 1986/87. Damals waren die Grenzauer das Maß aller Dinge und holten - zwölf Jahre vor Einführung der Champions League - Europapokal, nationalen Pokal und Meisterschaft ins idyllische Brexbachtal.

Die Borussia jedenfalls will Geschichte schreiben und ganze drei Tage nach dem 53. bereits den 54. Titel der Vereinsgeschichte unter Dach und Fach bringen, doch der Gegner aus Ochsenhausen denkt nicht daran, dies ohne Widerstand zuzulassen. Man möchte gerne den Spielverderber geben und selbst zum vierten Mal in der Klubhistorie nach 1997, 2000 und 2004 zu nationalen Meisterehren kommen.

Favorit ist der Rekordmeister vor heimischem Publikum natürlich schon, aber die Johansson-Truppe aus Oberschwaben war im ersten Finalspiel einfach zu stark, um das „Triple“ schon jetzt für besiegelt zu halten. Ein überragender Tiago Apolonia hatte damals dem Match- beziehungsweise Cupwinner gegen Charleroi, dem künftigen Ochsenhausener Seiya Kishikawa, keine Chance gelassen und gegen Timo Boll erst in einem Krimi auf Augenhöhe das Nachsehen gehabt. Boll hatte auch gegen Adrian Crisan, der wie Chuang Chih-Yuan und Pär Gerell am Mittwoch sein letztes Pflichtspiel für die TTF bestreitet, fünf Sätze zum Sieg benötigt. Chuang hatte zudem Trinko Keen geschlagen, der für den leicht angeschlagenen Christian Süß eingesprungen war. Und das abschließende Doppel, in dem sich Kishikawa/Keen durchsetzten, war auch eine heiß umkämpfte Angelegenheit.

Nun liegt eine ereignisreiche WM mit Edelmetall für Boll, Süß und Kishikawa dazwischen, die den Fokus etwas weg gelenkt hat von Europas stärkster Liga, die nun aber erneut und nochmals mit größtem Nachdruck in den Vordergrund tritt. Mannschafts-Vizeweltmeister Süß wird nun wieder dabei sein - allerdings musste er gegen Charleroi zwei Niederlagen einstecken, deren zweite, gegen Jean-Michel Saive, sich jedoch eigentlich in einem reinen Showmatch abspielte.

Zwar sind die Düsseldorfer, wie berichtet, seit dem Hinspiel in der Weltrangliste signifikant geklettert, gleiches gilt jedoch auch für die Ochsenhausener Akteure, die bei der WM ebenfalls richtig gute Auftritte hatten. So „raste“ Tiago Apolonia gleich um 30 Plätze nach oben und ist nun 32. - die mit Abstand höchste Platzierung des 23-jährigen Portugiesen in seiner bisherigen Karriere. Adrian Crisan verbesserte sich immerhin von Rang 49 auf Position 31, Chuang Chih-Yuan ist nunmehr 16. (zuvor Nummer 18) und Pär Gerell 47. (61.).

Ochsenhausens Taiwanese Chuang 
Chih-Yuan (Foto:Roscher).

Andreas Preuß war unmittelbar nach dem Königsklassen-Triumph am Sonntag bereits mit seinen Gedanken beim bevorstehenden DTTL-Endspiel: „Jetzt müssen wir bis Mittwoch die Spannung aufrecht erhalten, da wir das Triple schaffen wollen. Heute war es für uns ein zweiter Schritt auf dem Weg, Geschichte zu schreiben." Der Borussia-Manager fügte hinzu: "Das Spiel gegen Ochsenhausen wird schwieriger, als die Champions League zu gewinnen. Gegen Charleroi mussten wir nur ein Match holen, gegen Ochsenhausen müssen wir die gesamte Partie für uns entscheiden.“ Preuß setzt auch im Meisterschaftsfinale auf die Karte Boll: „Timo muss fit sein. Er ist dann der Mann, der selbst für Punkte sorgt und die anderen mitreißt. Was Timo bisher geleistet hat, ist unglaublich. Er ist unbezahlbar.“

Auch Christian Süß lenkte seinen Fokus rasch um auf das Spiel um den nationalen Titel: „Gegen Ochsenhausen wird es schwerer, den Titel zu holen als gegen Charleroi die ECL zu gewinnen.“

Am Sonntag wurde denn auch lediglich bis etwa 21 Uhr beim Italiener an der Uhlandstraße gefeiert. Wer die Düsseldorfer kennt und weiß, wie sie als waschechte rheinische Frohnaturen Erfolge zu feiern pflegen, darf sicher sein, dass sie sich eine Menge für den Mittwoch aufgespart haben - sofern der „Tischtennis-Gott“ und der hoch motivierte Gegner mitspielen.

Präsident Fritz Wienke legte in seiner kurzen Ansprache zum Königsklassen-Sieg Wert auf die Feststellung, dass man zwar „drei Viertel des Marathons in Bestzeit hinter sich gebracht“ habe, jedoch „noch die zehn schwersten Kilometer bis zum Ziel“ bevorstünden.

Am Montag stand auch schon wieder dosiertes Training, auf jeden einzelnen Akteur zugeschnitten, auf der Düsseldorfer Agenda. Der Weltranglistenzweite Timo Boll durfte sich schonen und mit Massage zufrieden geben. Die Borussia möchte angesichts der Verhärtung seiner Rückenmuskulatur jedes Risiko vor dem großen Showdown vermeiden.

Rainer Ihle freut sich auf das brisante Saisonfinale: „Das wird nochmals ein Highlight in dieser Saison, vor allem die Zuschauer können sich auf einen Tischtennis-Leckerbissen freuen.“ Ochsenhausens Präsident hält sein Quartett keineswegs für chancenlos: „Die Jungs sind gut drauf und wollen den Spieß noch umdrehen. Wir haben unsere Chancen, wir müssen sie nur nutzen."

TTF-Trainer Anders Johansson glaubt ebenfalls an eine echte Chance seiner Mannschaft in der Höhle des Löwen: „Wir haben sehr gut trainiert und die Spieler haben sich auch bei der Weltmeisterschaft in Moskau sehr viel Selbstvertrauen geholt.“ Dennoch sieht der schwedische Trainer den Gastgeber als leicht favorisiert an: „Es ist auch für Düsseldorf das letzte Spiel der Saison und sie können das Triple schaffen. An der Motivation wird es nicht fehlen.“

Ein sportliches Highlight ist zu erwarten, das vielleicht sogar einen dramatischen Verlauf nehmen könnte. Zuvor steht allerdings erst einmal ein festlicher Akt auf dem Programm: Zusätzlich wird an diesem Tag nämlich das umfassend modernisierte Tischtennis-Zentrum offiziell und feierlich eröffnet. Das Rahmenprogramm unter den Augen von NRW-Sportminister Dr. Ingo Wolf beginnt eine halbe Stunde vor Spielbeginn, also um 18:30 Uhr.

Die Highlights des Spiels zwischen Düsseldorf und Ochsenhausen gibt es am Donnerstag, 10. Juni, ab 19:30 Uhr in Sport1 wie auch vormittags im ARD Morgenmagazin zu sehen. Zudem wird es am Mittwoch ab 19:00 Uhr einen Internet-Livestream auf www.DTTL.tv geben.

DTTL-Mediendienst; Dr. Stephan Roscher