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Düsseldorf dicht vor der erneuten Thronbesteigung: Rückspiel gegen Charleroi im ARAG CenterCourt

Trainer Dirk Wagner und Weltstar Timo Boll gehen gut vorbereitet in das zweite Finalspiel um die europäische Krone (Foto: Roscher).

Sonntag, 13:00 Uhr: Borussia Düsseldorf – Royal Villette Charleroi

Im Spiroudome zu Charleroi klappte vor vier Wochen alles wie am Schnürchen: Vor 3.000 Tischtennisfans besiegte Christian Süß zum Auftakt Dimitrij Ovtcharov, Timo Boll legte nach gegen Wang Jian Jun und Seiya Kishikawa vollendete den vielleicht stärksten Düsseldorfer Auftritt 2009/10 mit einem 3:2 über Petr Korbel, der kommende Saison für DTTL-Aufsteiger Herne aufschlagen wird.

Folglich würde ein einziger Spielgewinn den Rheinländern bereits zum Triumph genügen. Eigentlich gut machbar bei zwei Vizeweltmeistern und einem Bronzemedaillengewinner von Moskau im Team. Mit dem künftigen Orenburger Ovtcharov steht der dritte deutsche WM-Held zwar auf der anderen Seite des Tisches, ob „Dima“ aber dem Duell in seinem letzten Pflichtspiel für Charleroi nochmals die entscheidende Wende wird geben können, erscheint fraglich.

Geehrt werden vor der Partie natürlich Boll, Süß und Ovtcharov für ihre überragenden Darbietungen in Moskau sowie Kishikawa, der mit Japan den dritten Platz erreichte. Pünktlich zum ECL-Kracher hat die ITTF die neue Weltrangliste vorgelegt, in der genau diese vier Spieler nochmals ihre Positionen verbessern konnten. Timo Boll ist erstmals seit Oktober 2006 wieder die Nummer zwei der Welt, Dimitrij Ovtcharov kletterte von 15 auf 13, „Krille“ Süß von 24 auf 21 und Seiya Kishikawa vom 30. Rang auf den 28.

Der Gegner ist gerade zum 33. Mal belgischer Meister geworden – eine stolze Bilanz, wenngleich der Titel angesichts einer eher schwachen nationalen Liga qualitativ natürlich nicht einer deutschen Meisterschaft, wie sie die Borussia am kommenden Mittwoch unter Dach und Fach bringen könnte, vergleichbar ist. Schlägt Düsseldorf die im Hinspiel bärenstarken Oberschwaben, wäre der „FC Bayern des Tischtennissports“ immerhin zum 23. Mal nationaler Champion. Das historische Triple, wie es noch nie einem deutschen Verein glückte, erscheint machbar, ja greifbar.

Borussia-Manager Andreas Preuß hat die europäische Krone natürlich fest im Visier, tritt aber aus gutem Grund im Vorfeld ein wenig auf die Euphoriebremse: „Im Hochleistungssport geht nichts von allein, ich hoffe Timo, Christian und Kishi können ihre Form von Moskau konservieren, dann wird alles gut, aber bis zu den Titeln sind es noch einige nasse Trikots....“

Auch Trainer Dirk Wagner will von einer Pflichtübung nichts wissen und lässt derartige Begriffe allenfalls in einem anderen Sinne gelten: „Pflichtaufgabe vielleicht in der Hinsicht, dass es unsere Pflicht ist, kurz vor der Zielgeraden nach einer enorm langen und strapaziösen Saison nochmals alle Kräfte zu mobilisieren. Nur wenn wir mit voller Konzentration in der Vorbereitung und Respekt vor dem Gegner am Spieltag die Dinge angehen, werden wir erfolgreich sein. Da wir mit dieser Linie bisher gut gefahren sind, bin ich optimistisch, dass wir gute Karten im Kampf um die verbleibenden zwei Titel haben.“ Auf die Frage, ob es ihn auch emotional berühre, nach einer ungemein erfolgreichen Zeit am Sonntag das vorletzte Mal für die Borussia am Rande der Bande zu agieren, antwortet Wagner: „Wehmut kommt nicht auf. Da bin ich mit den Gedanken viel zu sehr im Hier und Jetzt. Vielleicht oder besser gesagt mit großer Wahrscheinlichkeit wird sich diese nach dem Mittwoch einstellen. Heute gelten alle Gedanken dem Sonntag und danach dem DTTL-Finale am Mittwoch.“

Christian Süß spricht für seinen Nationalmannschaftskollegen Dimitrij Ovtcharov mit: "Wir haben in Moskau natürlich mit Dima über das ECL-Finale geredet. Er meinte, dass sie eigentlich gar nicht mehr nach Düsseldorf fahren müssten, da das Spiel schon entschieden sei. Aber wir kennen Dima lange genug und wissen, dass er und Charleroi fighten werden bis zum letzten Ball und sie sich noch lange nicht aufgegeben haben."

Die Champions League-Finalbegegnung wird am selben Abend ab 23:30 Uhr in einer Zusammenfassung beim Sportsender Sport1 (früher DSF) gezeigt und in Ausschnitten am kommenden Montag im ARD Morgenmagazin. Zudem wird es am Sonntag ab 13:00 Uhr einen Livestream auf www.DTTL.tv geben.

DTTL-Mediendienst; Dr. Stephan Roscher