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„Jedes Jahr etwas besser“ – Interview mit Hanaus Neuzugang Thomas Keinath

Thomas Keinath (Foto: Roscher).

Was würdest Du rückblickend als die größten Erfolge Deiner bisherigen Tischtennis-Karriere bezeichnen?

 

T.K.: „Es gibt da viele, an die ich mich gerne erinnere, zum Beispiel den Sieg bei den US Open 2009 in Las Vegas, ebenso den 3. Platz im Einzel bei den Brazil Open und das Erreichen des Viertelfinales bei den China Open letztes Jahr. Stolz war ich auch darauf, bei der letzten WM in Japan unter die besten 32 gekommen zu sein. Etwas länger zurückliegend aber auch toll waren mein Einzelsieg bei den Finnland Open 2000, der 3. Platz mit Lars Hielscher im Doppel bei den Euros 2000 sowie natürlich Mannschafts-Bronze mit Deutschland bei der WM in England 1997.“


Welche Ziele hast Du noch in diesem Sport? Hast Du einen Weltranglisten-Platz, den Du unbedingt noch erreichen möchtest oder möchtest Du mal Deutscher Mannschaftsmeister werden?

 

T.K.: „Ich habe noch große Ziele, weil ich merke, dass ich jedes Jahr etwas besser werde. Ich glaube, meine besten Jahre werden noch kommen. Mein Ziel ist es, unter die besten 50 der Welt zu kommen. Nummer 53 war ich vor kurzem. Und ich stand knapp vor einem Platz unter den ersten 50 bei den Euros in Stuttgart. Ich habe gegen Crisan, damals Nummer 30 der Welt, 3:1 nach Sätzen geführt und dann leider im 7. Satz 9:11 verloren. Bei einem Sieg wäre ich schon unter den TOP 50 gewesen. Und mit Hanau möchte ich nun auch Großes erreichen und in der Champions League spielen. Gegen die besten Teams in Europa in der Main-Kinzig-Halle zu spielen, das wäre ein Traum – und er ist zu verwirklichen.“

Was hat für Dich letztlich den Ausschlag gegeben, Dich für die TGH zu entscheiden? Hattest Du weitere Angebote? Oder wärst Du in Frankreich geblieben, wenn Hanau nicht an Dich herangetreten wäre?

 

T.K.: „Mein Traum ist wahr geworden, in Hanau zu spielen. Hier sind meine Freunde, Familie und viele meiner Fans. Und auch mein Tischtennis-Shop und meine Tischtennis-Schule. Hier will ich versuchen, nun etwas Dauerhaftes aufzubauen. Und ich habe weniger Stress mit dem Fliegen und es ist nicht weit zum Training. Ich hatte noch andere Angebote, auch aus der DTTL, aber Hanau hat für mich gepasst wie nichts anderes.“

Man hört, es seien zähe Verhandlungen gewesen, um aus dem Vertrag in Angers herauszukommen, zudem hättest Du Deinen "Nachfolger" präsentieren müssen. Wen hast Du empfohlen?

 

T.K.: „Ich musste einen Nachfolger finden, der so in etwa meine Spielstärke hat wegen der Champions League. Er sollte so zwischen Platz 50 und 70 in der Welt stehen. Ich hab einige gefragt. Aber leider wollte man in Angers die ersten Kandidaten nicht. Für den Verein ist es, wie auch für die TG Hanau, wichtig,  dass der Spieler zum Team passt. Sie suchen Spieler, die einen guten Charakter haben und mit denen man sich vernünftig verständigen kann. Zum Glück habe ich dann den spanischen Chinesen He Zhi Wen gefunden – und der wurde akzeptiert.“

 

Hast Du in Frankreich besser verdient als künftig in Hanau oder bestand der Vorteil nur darin, dass Du dort weniger Spiele hattest und Dich mehr auf Deine internationalen Auftritte und die Tischtennis-Schule konzentrieren konntest?

 

T.K.: „Weil ich die Vorteile hier auch für meine Zukunft als Trainer und meinen Tischtennis-Shop nutzen will, fiel es mir nicht so schwer, auf etwas Geld in Hanau zu verzichten.“

 

Wie stark ist die französische Erste Liga im Vergleich zur DTTL?

 

T.K.: „Die DTTL ist schon sehr, sehr stark. Ich finde die Erste Liga in Frankreich aber sogar noch einen kleinen Tick stärker, jedenfalls von den Namen der Spieler her. Es spielen sehr viele von den besten 30 in der Welt mit. Aber die Leistung, die sie dort bringen, ist oft nicht so gut wie das Niveau, das in der deutschen Bundesliga gespielt wird. Das liegt auch daran, dass in Frankreich die meisten Spieler nur zu den Spielen einfliegen und oft direkt vom Flughafen in die Halle kommen und dann nicht gut vorbereitet sind. In Deutschland muss fast jeder Spieler vor Ort wohnen und geht dann unter optimalen Bedingungen in die Partien hinein.“

 

Wie lange hast Du Dich an die TG Hanau vertraglich gebunden?

 

T.K.: „Ich habe einen Zwei-Jahres-Vertrag in Hanau erhalten, möchte aber gerne länger hier spielen.“

 

Du hast schon in sehr vielen hochklassigen Vereinen in Deutschland und im Ausland gespielt - was ist das Besondere an der TG Hanau?

 

T.K.: „Ich habe in fünf Vereinen Bundesliga gespielt. Aber ich hätte nie im Leben gedacht, dass vor meiner Haustür und direkt neben dem Krankenhaus, wo ich geboren bin, ein Bundesliga-Verein entstehen würde. Für mich ist es etwas ganz besonderes, auch weil hier alle meine Freunde und so viele Fans leben. Früher mussten alle immer weit fahren, wenn sie mich mal im Wettkampf erleben wollten, jetzt brauchen sie das nicht mehr.“

 

Manche halten Dich für einen Wandervogel im Tischtennis. Ist damit jetzt Schluss, soll die TGH eine langfristige Angelegenheit werden?

 

T.K.: „Ein Wandervogel will ich auf der Welt bleiben. Ich fliege unheimlich gerne zu Turnieren rund um den Globus. Aber mit dem Wechsel der Vereine soll endlich Schluss sein. Ich will gerne bis zum Alter von 42 Jahren spielen. Und nun immer in Hanau zu bleiben, das wäre mein Traum.“

Was willst Du mit der TG Hanau in den nächsten Jahren erreichen?

 

T.K.: „Ganz kurz und einfach: Ich will mit Hanau in die Champions League und in die Play-Offs um die deutsche Meisterschaft kommen.“

 

Bist Du eher Teamplayer oder Individualist?

 

T.K.: „Früher habe ich besser alleine auf Turnieren gespielt und bin in der Mannschaft immer etwas nervös gewesen. Seit ungefähr drei Jahren ist das aber anders, seitdem spiele ich auch im Team sehr gut.“

Wo liegen Deine Stärken und Deine Schwächen im Tischtennis? Kann man mit 32 Jahren seine Schwächen überhaupt noch abstellen?

 

T.K.: „Spielerisch kann man nicht mehr so viel umstellen. Aber man kann Neues lernen. Mein Kopf ist im Spiel noch nicht so gut. Deswegen brauche ich viele Wettkämpfe, um noch mehr Erfahrung zu sammeln.“
 

Welche Meinung hast Du von Trainer Helmut Hampl, unter dem Du ja schon seit vielen Jahren trainierst? Wie verstehst Du Dich mit ihm?

 

T.K.: „Helmut ist ein sehr guter Trainer mit vielen Jahren Erfahrung. Er ist immer noch hoch motiviert und kann die Spieler auch prima motivieren.“

 

Man hat immer noch den Eindruck, dass Du diesen Sport regelrecht lebst. Du bist einer der wenigen Profispieler, die regelmäßig in großen Tischtennisforen den Fans Rede und Antwort stehen, und suchst immer wieder den Kontakt zur Basis. Wäre ein Leben ohne Tischtennis für Dich überhaupt denkbar?

 

T.K.: „Ich kommuniziere gerne mit den Fans, weil ich auch wissen will, wie die Leute leben, die nicht so gut spielen wie ich, und welche Interessen sie haben. Jeder Mensch ist interessant. Es lohnt sich immer, das zu entdecken. Ohne Tischtennis könnte ich zur Not aber auch leben, da ich auch viele andere Interessen habe und für sehr vieles offen bin.“

 

Wird der Weltenbummler Thomas Keinath allmählich sesshaft? Spielt auch das Privatleben für Dich nun eine größere Rolle? Man hat Dich zuletzt in der Main-Kinzig-Halle mehrmals mit Deiner hübschen Freundin gesehen.

T.K.: „Solange ich fit bin, werde ich hart trainieren und auf Turnier-Reisen gehen. Das ist schon wichtig für mich, um mich wohl und glücklich zu fühlen. Das Privatleben hat aber für mich auch seinen Stellenwert, und das muss auch so sein.“
 

Interview: DTTL-Mediendienst; Dr. Stephan Roscher