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Christian Süß steuerte einen Einzel- und einen Doppelpunkt zum knappen Borussia-Erfolg bei (Foto: Roscher).Borussia Düsseldorf - TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell 3:2
1.300 Zuschauer in der Phoenix-Halle sahen ein rassiges Spitzenspiel, das auch im Internet-Livestream zu verfolgen war. Im DSF sind die Highlights am Montag ab 17:00 Uhr zu sehen. Es lohnt sich wirklich, nochmals hereinzuschauen.
Der Weltranglistenvierte Timo Boll, der sich beim Einspielen eine leichte Verletzung zugezogen hatte, brachte die Rheinländer in einem Herzschlag-Match gegen Robert Svensson nach Abwehr von vier Matchbällen in Front (8:11, 11:8, 7:11, 11:3, 13:11). Wang Xi spielte anschließend gewohnt souverän auf und fertigte Seiya Kishikawa mit 11:7, 11:7, 11:7 ab. Allerdings litt der Japaner dem Vernehmen nach an einer Sehnenscheiden-Entzündung im rechten Daumen. "Kishi hat sich in den Dienst der Mannschaft gestellt. Uns war vorher klar, dass er gegen Wang keine Chance hat. Trotzdem hat er es probiert, das verdient unseren Respekt", so Düsseldorfs Trainer Dirk Wagner.
Christian Süß hatte nur im ersten Durchgang Probleme mit Jan-Ove Waldner (6:11, 11:8, 11:8, 11:3), doch Wang Xi rettete die Maberzeller ins Doppel und schlug Timo Boll 11:5, 11:9, 12:10. Der drahtige 26-jährige Chinese schraubte mit den beiden Siegen im Spitzenspiel seine DTTL-Bilanz auf phänomenale 22:3 hoch.
Die hoch dramatische Partie wurde nach 165 Minuten im Entscheidungssatz des Schlussdoppels entschieden. Süß/Kishikawa hatten gegen Waldner/Meng das bessere Ende auf ihrer Seite (13:11, 7:11, 6:11, 11:9, 12:10). 3:2 für den Titelverteidiger bei 9:11 Sätzen, die zeigen, wie offen die Begegnung war.
Borussia-Manager Andreas Preuß fiel ein Stein vom Herzen: "Das war heute eine klasse Leistung unserer Mannschaft. Den Tabellenführer zu schlagen, obwohl wir mit zwei Verletzten angetreten sind, kann man kaum hoch genug bewerten.“
Auch Fuldas Vereinsboss Stefan Frauenholz war von dem Auftritt seiner Spieler angetan: "Die Düsseldorfer sind für uns jetzt leistungsmäßig in Sichtweite." Gäste-"Vize" Claus-Dieter Schad zog folgendes Fazit: "Zunächst einmal gilt unser Glückwunsch dem Gastgeber. Düsseldorf hatte heute das winzige Quäntchen Glück aus seiner Seite. Wir haben die zwei entscheidenden Fünf-Satz-Krimis leider verloren. Symptomatisch war der Ausgang des Spiels Svensson gegen Boll: Während Robert mit einem Weltklasse-Ballwechsel im 5. Satz zum 10:7 punkten kann, gleicht Timo mit einem Kantenball zum 10:10 aus. Aber, so ist halt Tischtennis. Wichtig war für uns die Erkenntnis, dass man Düsseldorf auch in Bestbesetzung an den Rand der Niederlage und vielleicht darüber hinaus bringen kann. Wir lassen trotz der Niederlage die Köpfe nicht hängen, vielleicht gibt es ja bald ein Wiedersehen im Play-Off, dann werden die Karten neu gemischt." Weniger gefallen hat Schad die - in seiner Sicht - zu starke Betonung der gegnerischen Handikaps: "Etwas peinlich haben die ständigen medizinischen Bulletins und Erklärungsversuche des Hallensprechers und des Fernsehkommentators angemutet. Die Oberschenkelzerrung von Timo und der rechte Daumen von Kishikawa in allen Ehren, aber das hat Düsseldorf doch gar nicht nötig. Ein großes Kompliment an den Sportsmann Timo Boll, der seine erste Saisonniederlage nicht schön geredet hat, sondern einfach auch die Klasse seines Gegners anerkannt hat. Wang Xi hat Timo Boll erstmals in einem Pflichtspiel knacken können, das ist die eigentliche Erkenntnis."
Fulda bleibt aufgrund der beiden mehr absolvierten Spiele Tabellenführer und kann am 27.02. zu Hause gegen Werder Bremen auf den nächsten Sieg hoffen. Tags darauf ist Verfolger Düsseldorf in Frickenhausen gefordert.
SV Werder Bremen - TTC Zugbrücke Grenzau 2:3
Kein Happyend für den SV Werder im letzten DTTL-Heimspiel in der Uni-Sporthalle. Am Ende durfte der Gast aus dem Westerwald jubeln. 1:1 lautete der Pausenstand zwischen Bremen und den zuletzt arg gebeutelten Grenzauern. Vor 405 Zuschauern mussten die Norddeutschen eine Niederlage im Auftakteinzel hinnehmen: Jens Lundquist unterlag Lucjan Blaszczyk 11:6, 11:13, 9:11, 7:11. Ein starker Lars Hielscher konnte jedoch gegen Patrick Baum ausgleichen (5:11, 11:7, 11:7, 11:6).
Die Westerwälder kämpften aufopferungsvoll darum, ihre Negativserie im Jahr 2010 - sämtliche sechs Pflichtspiele zuvor gingen verloren - zu beenden. Kenji Matsudaira - ursprünglich für die Zweitliga-Mannschaft vorgesehen, längst aber unverzichtbar für die Erste, wenn es um die Wurst geht - war es dann, der den Gast erneut in Führung brachte. Der Japaner stellte seine Bundesligatauglichkeit beim 6:11, 11:8, 11:8, 8:11, 11:3 gegen seinen Landsmann Taku Takakiwa nachhaltig unter Beweis. Doch es war nicht der Tag des Patrick Baum: Der Linkshänder aus Rheinhessen konnte auch gegen Jens Lundquist nichts reißen und verlor 9:11, 11:8, 8:11, 10:12.
In einem extrem spannenden Doppel konnte die Gstettner-Truppe schließlich den ersten Sieg des Jahres perfekt machen: Blaszczyk/Matsudaira setzten sich ganz knapp gegen das Werder-Duo Hielscher/Takakiwa durch (11:9, 12:14, 1:11, 6:11, 9:11).
"Wir haben uns diesen Sieg einfach verdient", sagte ein überglücklicher TTC-Trainer Michele Comparato nach dem Erfolg in Bremen. "Lucjan Blaszczyk hat heute mal wieder gezeigt, wie wichtig er für Grenzau ist." Der Routinier aus Polen selbst meinte zu der Partie: "Heute stand für beide Teams unheimlich viel auf dem Spiel. Das war ein guter Anfang, wir sind aber noch lange nicht durch."
Werder-Trainer Cristian Tamas: "Es ist sehr schade, dass wir uns nicht für die Leistung belohnen konnten. Wenn einem zwei Punkte zum Sieg fehlen, ist es natürlich tragisch, dennoch können wir auf dieser Leistung aufbauen." Manager Sascha Greber: „Wir wussten, dass wir gegen spielstarke Grenzauer nur wenige Möglichkeiten haben, die entscheidenden Punkte zu machen. Es ist dann natürlich umso ärgerlicher, dass wir uns die Möglichkeit für einen Sieg erarbeitet haben, sie aber nicht nutzen konnten. Dennoch müssen wir optimistisch bleiben.“
Bremen, das auf Platz neun notiert ist, muss am 27.02. bei Spitzenreiter Fulda seine Aufwartung machen, der Tabellenfünfte Grenzau tags darauf bei den zuletzt sehr starken Hanauern antreten.
SV Plüderhausen - TTF LIEBHERR Ochsenhausen 2:3
Pär Gerell brachte den Gast im Schwabenderby vor 410 Zuschauern in der Hohbergsporthalle durch ein überraschendes 3:0 gegen Jakub Kosowski in Front (11:9, 11:9,11:6). Chuang Chih-Yuan legte erwartungsgemäß nach und ließ dem jungen Engländer Paul Drinkhall beim 11:8, 11:5, 11:4 keine Chance.
Aleksandar Karakasevic schaffte gegen Tiago Apolonia den Anschluss (11:4, 8:11, 11:9, 11:9) und weckte neue Hoffnung beim SVP, der plötzlich wieder voll da war. Dies bewies auch Kosowski, der gegen Chuang in fünf Sätzen siegte und die Remstaler ins Doppel rettete. Nun befürchtete mancher TTF-Fan, dass Ochsenhausen einmal mehr nach einem gelungenen Champions-League-Auftritt in der DTTL die Erwartungen nicht würde erfüllen können. Doch im abschließenden Doppel rettete man das fast aus der Hand gegebene Spiel doch noch über die Ziellinie. Gerell/Crisan schlugen Drinkhall/Karakasevic 11:9, 12:10, 11:13, 10:12, 11:4.
„Das war nichts für schwache Nerven, aber unter dem Strich haben wir ein sehr erfolgreiches Wochenende hinter uns“, freute sich ein sichtlich erleichterter TTF-Präsident Rainer Ihle.
SVP-Sportkoordinator Ulrich Engele: "Natürlich waren Jakub, Kara und Paul nach der "Traumreise" nach Orenburg auch am Sonntag noch nicht absolut fit, was man vor allem Jakub in seinem ersten Einzel gegen Gerell deutlich anmerkte, in dem er überhaupt nicht zu seinem Spiel fand und nicht mal fähig war zu kämpfen, was er sonst ja immer macht. Paul hatte dann gegen Chuang keine Chance und jeder dachte jetzt, dass auch Kara gegen Apolonia nicht wirklich kämpfen kann. Der aber überraschte wieder einmal alle und lieferte ein ganz hervorragendes Spiel ab und gewann 3:1. Jetzt wollte offensichtlich auch Jakub nicht nachstehen und spielte gegen Chuang sagenhaft auf, obwohl er nachher sagte, er habe seine Beine gar nicht gespürt und wisse nicht, wie er gewinnen konnte. Das Doppel verlief dann leider wie immer in dieser Saison: Vier Sätze total ausgeglichen aber im fünften dann wieder am Anfang sehr unglücklich mit drei Netz- und Kantenbällen für den Gegner und mit letztendlich einer Niederlage, die uns jetzt nach unten blicken läßt, statt nach den Play-Off-Plätzen."
Ochsenhausen liebäugelt als Tabellenvierter weiter mit den Play-Offs, für den Siebten SVP dürfte dieser Zug dagegen abgefahren sein. Die Plüderhausener reisen am 28. Februar zu Schlusslicht Jülich, während Ochsenhausen zu Hause auf den Dritten Saarbrücken trifft - gewiss keine leichte Aufgabe.
1. FC Saarbrücken - TTC Frickenhausen 3:2
Ein überragender Bastian Steger war zu wenig für die im ahr 2010 noch sieglosen Schwaben, die am Ende in der Joachim-Deckarm-Halle ein knappes 2:3 quittieren mussten, dem Düsseldorf-Bezwinger aus dem Saarland jedoch lange das Leben schwer machten und die interessante Partie offen hielten.
Zunächst setzte sich Bojan Tokic in drei Sätzen gegen Kenta Matsudaira durch (11:5, 11:6, 12:10), doch postwendend schlug der "Tälesklub" durch Steger zurück, der den Kroaten Andrej Gacina mit 11:5, 11:6 und 11:9 bezwang, Nach der Pause hatte Leung Chu Yan erstaunlich große Probleme mit einem stark verbesserten Fabian Akerström, verlor um ein Haar das Match - nicht weniger als sieben Matchbälle vergab der junge Schwede! - und setzte sich dann doch noch in fünf Sätzen durch (6:11, 11:8, 2:11, 13:11, 11:4).
In einem echten Krimi behauptete sich anschließend "Basti" Steger gegen Bojan Tokic mit 3:2, so dass das Doppel die Entscheidung bringen musste. Und da waren es Gacina/Leung, die in vier Sätzen Akerström/Matsudaira auf Distanz halten konnten.
Saarbrückens Trainer Matthias Landfried: "Es war das erwartet schwere Spiel. Wir haben Frickenhausen weder vor noch beim Spiel unterschätzt, sind hochkonzentriert gewesen und haben an einem Tag, an dem wir auch selber nicht die beste Tagesform hatten, die Nerven behalten."
TTC-Trainer Jian Xin Qiu war trotz der Niederlage zufrieden: „Basti hat hervorragend gespielt und auch Fabian Akerström hat trotz der Vergabe von sieben Matchbällen eine ausgezeichnete Leistung gezeigt. Ihm fehlt noch die Erfahrung, um in der ersten Liga bestehen zu können. Kenta hat momentan den Kopf nicht frei, er bräuchte unbedingt ein paar Siege. Wir haben uns aber heute wieder als Mannschaft präsentiert und werden auf jeden Fall weiter kämpfen, um den Klassenerhalt sportlich zu schaffen.“ Doch Frickenhausens Manager Jürgen „Max“ Veith verstand die Welt nicht mehr: „Das gibt’s doch nicht. Das ist wie eine Seuche. Jetzt haben wir auch noch Pech. Ein großes Lob an Bastian Steger, er hat heute gezeigt, dass auf ihn Verlass ist. Schade, dass Fabian Akerström seine Chance nicht nutzen konnte, gegen einen so hervorragenden Spieler wie Leung zu gewinnen. Mit einem Sieg heute wären wir die größten Sorgen im Kampf um den Klassenerhalt los gewesen.“
Saarbrücken bleibt unangefochten Dritter im Klassement und gibt am 28.02. seine Visitenkarte in Ochsenhausen ab. Frickenhausen fiel auf Rang acht zurück und muss noch um den Klassenerhalt zittern. Mit Rekordchampion Düsseldorf haben Steger & Co. in vierzehn Tagen in der Sporthalle auf dem Berg eine besonders harte Nuss zu knacken.
DTTL-Mediendienst; Dr. Stephan Roscher